Isabel Rohner: Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm – eine Biografie

Eine kompliziertere Ausgangssituation für eine BiografIn ist nur schwer vorstellbar: Es gibt keinen Nachlass, kein Archiv. Familie und Freunde wurden verfolgt und sind ausgewandert. Bücher sind vergriffen und wurden nicht wieder aufgelegt. Vorliegende Biografien sind fehlerhaft und unprofessionell. Die Tatsache, dass Hedwig Dohm eine Frau war, noch dazu eine radikale feministische Visionärin, ist der traurige Grund für das beabsichtigte Vergessen und die daraus resultierende desolate Quellenlage. Die „Rettung“ für die Erinnerung an Hedwig Dohm war ihre Verwandtschaft zu Thomas Mann; im Dunstkreis des meiner Meinung nach völlig Überschätzten blieben auch einige wenige Anhaltspunkte ihrer Existenz erhalten. Den detektivischen, geradezu  archäologischen Ausgrabungsarbeiten der Neuen Deutschen Frauenbewegung ist es zu verdanken, dass Hedwig Dohm einen Teil ihrer Bedeutung zurückgewinnt, die sie für die Entwicklung der deutschen Gesellschaft hatte.

Isabel Rohner ist sich der Wichtigkeit dieser „Vorarbeiten“ sehr bewusst, sie schmälern jedoch nicht im geringsten ihr Verdienst an dieser wichtigen Biografie einer wichtigen Frau, deren Spuren – wie eindrucksvoll belegt – bis ins Jetzt reichen.

 

Isabel Rohner, Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm – eine Biografie. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Ts. 2010

 

gelesen von Jule Blum