Jen Lin-Liu: Nudeln für das Volk.

Eine kulinarische Entdeckungsreise in 27 Gerichten und drei Beilagen verspricht der Untertitel. Die Amerikanisch-chinesische Autorin hat China bereist, die Sprache erlernt und die chinesische Kochkunst studiert. Zuerst absolviert sie einen Kochkurs, später weilt sie zu Praktika in verschiedenen Gegenden, arbeitet in Nobelrestaurants und Garküchen und am Ende entschließt sie sich, als Köchin in China zu leben.

Kochen ist in China traditionell ein Männerberuf, noch dazu kein besonders angesehener. Der jungen Ausländerin schlägt also zu Beginn ihres Weges viel Skepsis entgegen. Jedoch trifft sie auch viele Menschen, die sie einführen in die uralte Kunst. Sie lernt Schneidetechniken und das Falten von Teigtaschen und wie nebenbei eine Menge über die chinesische Lebensart. Mit ihrem journalistisch geschulten Erzähltalent nimmt die Autorin ihre Leserinnen mit auf diese großartige Reise, bei der mit jeder Seite ein deutlicheres Bild von chinesischer Geschichte, Kultur und Modernisierung entsteht.

In jedem Kapitel gibt es Rezepte, die sich zum Nachkochen eignen. Das Cover mit einer Mischung aus propagandistischem Holzschnitt und Fotocollage mit Nudelschale und Essstäbchen bringt auf den Punkt, was die Autorin an chinesischen Herden erlebt hat – eine Mischung aus Gestern und Morgen gewürzt mit einer Sicht aufs Leben und Gerichten, die bis zum Ende wohl nur versteht, wer eine Zeit lang in diesem faszinierenden Land gelebt hat.

Gesellschaftskunde, die auf der Zunge zu schmecken ist.

 

Jen Lin-Liu. Nudeln für das Volk. Knaur Taschenbuch Verlag. München. 2009

 

gelesen von Elke Heinicke