Judith Schoenen: Das Image der Frau. Wege zu einem neuen Selbstbild.

Schoenen stellt Fragen in der Art Wie zeitgemäß ist es, einen “typisch weiblichen“ Beruf zu wählen, bei der Geburt des ersten Kindes den Beruf aufzugeben, in die Karriere des Mannes zu investieren statt in die eigene, durch Teilzeitarbeit eine niedrige Rente vorzuprogrammieren, lieber gefallen als respektiert werden zu wollen? Sie erinnert daran, dass laut einer Brigitte-Umfrage von 2006 „gefühlvoll sein“ als die am höchsten bewertete weibliche Eigenschaft hervorging, wohingegen „ehrgeizig oder erfolgreich sein“ niedrig punkten, „karrierebewusst sein“ aber ebenso wie „egoistisch sein“ auf dem untersten Treppchen landeten.

Frauen stoßen auch heute noch recht schnell an die gläserne Decke. Schuld daran sind sowohl
veränderungsresistente Männer, als auch Frauen, die es bequemer finden, die Verantwortung für ihr Leben nicht in die eigenen Hände zu nehmen. Frauen werden in ihrer Entwicklung massiv behindert und dann stellen sie sich auch noch selbst oder aber der etwas erfolgreicheren, emanzipierteren, feministischen Schwester ein Bein.

 

Schoenen zieht Bilanz, hinterfragt, kritisiert und erteilt Ratschläge. Dabei gelingen ihr frische Bonmots á la Wie soll man Frauen, die nur Schuhe im Kopf haben…die Führung einer Firma anvertrauen? Lieber chic gekleidet und 30% weniger Gehalt? Ist weibliches Einfühlungsvermögen in Wahrheit der geschärfte Blick der hierarchisch Untergeordneten? Sie fordert schleunigst die dritte Welle der Frauenbewegung ein, da es noch viel zu tun gibt. Homosexualität füllt gerade mal eine halbe Seite, ist nach Schoenen nichts als eine sexuelle Orientierung und dies sollte auch so bleiben; das L-Wort kommt gar nicht erst vor.

Manches ist witzig und originell formuliert, vieles nicht mehr wirklich neu, manches wird mehrfach wiederholt. Alles in allem hätte der bearbeitete Stoff ein paar nette Glossen abgegeben. Wirklich gut wird die Autorin an den Stellen, wo es um eine feministische Analyse von Werbung geht. Dann ist an der Informationsdichte und dem sprühenden Wortwitz zu merken, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt: Als ehemalige Kreativdirektorin und heutiges Mitglied der Geschäftsleitung einer Werbeagentur ist sie in diesem Metier zu Hause.

Judith Schoenen. Das Image der Frau. Wege zu einem neuen Selbstbild. Verlag Barbara Budrich.Opladen & Farmington Hills. 2008.

gelesen von Elke Heinicke