Karin Kallmaker: Tanz auf dem Eis.

Karin Kallmaker: Tanz auf dem Eis.Das Jahr neigt sich dem Ende zu, es wird kälter, die Abende länger – und pünktlich liegt der neue Kallmaker-Roman im Bücherregal, um die Leserinnenseelen mit etwas HerzSchmerzDramatik zu wärmen. In dieser Beziehung kann eine sich auf Kallmaker verlassen: Auf den ersten Seiten wird unmissverständlich klar gemacht, welche füreinander bestimmt sind. Dann türmen sich Hindernisse über Hindernisse auf und erst ganz am Ende bekommen sie sich, dann allerdings mit allem Drum und Dran und für den Rest des Lebens. An den entsprechenden Zutaten mangelt es nicht: Da gibt es eifersüchtige Femmes, die in derselben Liga spielen, was das Aussehen betrifft. Langes blondes Haar spiegelt sich wie Gischt auf kobaltblauer See. Salzige, bittereTränen durchbrechen den Damm. Jeder Blick erscheint wie ein Tropfen Licht. Der Rechenstift muss als libidokühlender Zauberstab herhalten und die Exen sind so richtig böse, während die Liebenden erröten, auf entzückende Ideen kommen und zum Dessert oder hinterher Sex haben.

Soweit, so gut und mittlerweile nicht mehr allzu spannend. Über diese eher etwas inszeniert wirkende Liebesgeschichte hinaus hat Kallmaker ein Menü aus aktuellen Themen angerichtet: Die begnadete Köchin Eve bereitet ohne Unterlass Köstlichkeiten genauso wie die im Moment allgegenwärtigen Starköche und -köchinnen. Ani dagegen ist Glaziologin, erforscht als Doktorandin in Alaska Gletscher. Ihre ebenfalls lesbische Mentorin wird von Ani bewundert als Streiterin gegen den Klimawandel. Doch dann geschieht ein Unglück, Ani reagiert falsch und verliert alles: ihr Stipendium, die Aussicht auf eine wissenschaftliche Karriere, ihre geliebte Heimat, ihre Mentorin und ihre Liebe. Sie flieht nach Key West, um in einer künstlich vereisten Bar zu jobben, raffinierte Cocktails mit viel Eis zu mixen, denn damit kennt sie sich aus.

All die verhängnisvollen Umstände klären sich im Laufe des Romans Schritt für Schritt auf. Und doch enttäuscht der Plot: Während der interessante Stoff aus dem Bereich der Klimaforschung und die Frage, welche Mittel durch ein großes Ziel legitimiert werden können, nur als oberflächliche Rahmenerzählung mitlaufen, bin ich vermutlich nicht die einzige, die eben diese Themen gern im Mittelpunkt der Erzählung gesehen hätte. Ein spannendes Thema, das leider verschenkt wurde. Aber vermutlich wird Kallmaker auch in Zukunft Kallmaker bleiben: Eine Autorin, die aktuelle Themen eröffnet, um sie dann nur in einer Und-sie-kriegen-sich-doch-Geschichte zu verbraten. Warten wir also auf die Autorin, die sich den von Kallmaker benannten Themen widmen wird.

Karin Kallmaker. Tanz auf dem Eis. Verlag Krug und Schadenberg. Berlin. 2010

gelesen von Elke Heinicke