Karin Rick: Chaosgirl

Karin Rick: Chaosgirl

Karin Rick: ChaosgirlDie Geschichte dieses neuen Romans von Karin Rick ist rasch erzählt: Die lesbische Protagonistin Irene arbeitet im Amt für verlorene Güter. Über dieses Amt erfährt die Leserin allerdings nicht viel mehr, als dass es eine graue, staubige, nicht besonders auf- oder gar anregende Umgebung ist. Schade eigentlich, denn ich hätte nur allzu gern Näheres erfahren. Immerhin gibt diese Behörde eine wunderbare Kulisse für Anita, die neue lebensfrohe Mitarbeiterin, ab. Irene entbrennt von Anfang an für die Neue, aber bis sie dann wirklich zusammen finden, vergehen etliche Buchseiten. Anita ist der reinste Wirbelwind, wenn auch kein Girl. Sie managt das Leben als Mutter zweier kleiner Buben, widersetzt sich schon aus Prinzip vielen Regeln, nimmt es mit der Wahrheit nicht allzu ernst und bringt bisher unbekannte Turbulenzen in Irenes Leben.

Nett ist der Wiener Charme der Autorin, der zwischen den Zeilen immer mal wieder aufblitzt. Da alteriert sich Irene, wenn sie  wieder mal das Gefühl hat, von der Angebeteten hingehalten zu werden, dann wieder jagt sie Anita nach und fährt selbst wie die G’sengte. Die Buben trutzen von Zeit zu Zeit. Und oft genug ist es doch alles wieder nur ein Schmäh.

Verzichtet hätte ich dagegen gern auf die eine oder andere Plattheit:

Zum Beispiel auf die Beschreibung von Anita als das Männliche im Weiblichen, die ideale Verbindung zwischen Mann und Frau in einer Person, für mich das wollüstige Ideal schlechthin. Häh? Ginge es nicht eine Nummer kleiner? Und macht Androgynität wollüstig oder ist Anita aus lauter Wollust so androgyn? Aber es kommt noch dicker: Anita reagiert von Zeit zu Zeit mit einem Senken und Aufflammen des Blickes, das Männer, die in der Wildnis leben, so an sich haben.

Nun, das liegt dann wohl daran, dass durch ihre Adern ungarisches Blut tobt, was sie natürlich auch zu einer leidenschaftlichen Liebhaberin macht: Schwere, wollüstige (schon wieder!) Stille klebt uns zusammen wie Kleister.

Kurzum, das Buch hält, was sein Cover verspricht. Auch wenn ich mir Anita ein ganz klein Bisschen anders vorgestellt hatte…

 

Karin Rick. Chaosgirl. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen. 2009

 

gelesen von Elke Heinicke