Katharina Pewny – Das Beste für die Lesbe: Die Dreivariantencouch

Dreivariantencouch. Von Jule Blum und Elke HeinickeDie Lesbenring-Aktivistinnen und Sprach- und Literaturwissenschaftlerinnen Jule Blum und Elke Heinicke haben mit der „Dreivariantencouch“ einen zeitgeschichtlichen Roman geschrieben, der für jüngere und ältere Leserinnen aus Nord und Süd, Ost und West, dringend zu empfehlen ist. Clever und witzig verweben sie die Gegenwart der drei Protagonistinnen Kerstin, Astrid und Dorothea, die eine offene Mehrfach-Beziehung leben wollen, mit ihren Mädchenzeiten in Ost- und Westdeutschland. Die zwei roten Fäden durch das Buch sind die Gegenwart und Geschichte der Lesbenbewegung als auch die deutsche Wiedervereinigung im Jahr 1989.

Nicht zufällig sind die Autorinnen Mitgründerinnen der „Schlampagne“, die sich dem lust- und verantwortungsvollen Leben von Beziehungen unter Frauen(Lesben) jenseits alter Normen verschrieben hat. Und, nicht zufällig, stammen sie selbst aus „Ost“ und „West“. So wirkt das Buch, ganz in der Tradition „Das Private ist politisch“, wie eine Transformation eigener Erfahrungen in Literatur. Andererseits bietet es so viele Identifikationsmöglichkeiten, dass Kerstin, Astrid und Dorothea „Jede“ sein könnte. Die drei Frauen, deren Charaktere durch Rückblenden in ihre Familiengeschichte im Laufe des dichten Romanes immer deutlicher werden, bieten wechselnde Identifikationsmöglichkeiten für die Leserinnen. Sie haben das Potential für Serienheldinnen, und so wünsche ich mir eine Fortsetzung – einstweilen in schriftlicher Form aber, welche weiß, vielleicht können wir Kerstin, Astrid und Dorothea später auch auf den Bildschirmen miterleben …

Zum zweiten roten Faden durch das Buch: Die Brüche in der scheinar nahtlos vereinten Gegenwart der „beiden“ Deutschlands, die sich wie feine Haarrisse durch die lesbischen Lebenswelten ziehen, werden zunehmend sichtbar. Die Protagonistinnen und ihre Freund/innen tauschen sich aus über ihre Erinnerungen an die Zeit vor 1989, und sowohl große Neugier, als auch Vorbehalte kommen auf. Das große Potential dieses Aspekts des Buches liegt meiner Meinung nach darin, dass es auch für Leserinnen anderer Länder die spezifischen zeitgeschichtlichen Atmosphären vermitteln kann. Wie es sich für Leserinnen, die in Ost- oder Westdeutschland geboren wurden, liest, müsst Ihr selbst herausfinden!

Der Ausgang der mehrfachen Liebesverhältnisse wird hier nicht vorweggenommen, und die Leserin selbst grübelt nach der spannenden Lektüre über eine dringend gewünschte Fortsetzung. Was nun die „Dreivariantencouch“ ist, wird an dieser Stelle nicht verraten…

Jule Blum & Elke Heinicke: Dreivariantencouch. Roman. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke, Tübingen 2011, 319 S.ISBN 978-3-88769-764-8