Kathrin Pläcking: Zettelgeschichten

Ein verlorener Einkaufszettel, nicht etwa in seiner „natürlichen“ Umgebung, sprich einem Einkaufswagen oder dem Gang eines Supermarkts, sondern zerknüllt im Gras gefunden, inspirierte die Autorin zu ihren Kurzgeschichten. Nicht immer macht sie es der Leserin leicht, in den Erzählungen den Bezug zu den vorangestellten Zetteln zu finden. Allerdings wurde es mir auch, je weiter ich las, zunehmend weniger wichtig. Denn Pläckings Geschichten fesseln. Fesseln weit mehr als ich zugegebenermaßen beim ersten Durchblättern erwartet hatte, klingt doch die Idee beim flüchtigen Hinsehen ein wenig nach den Ergebnissen eines Workshops für kreatives Schreiben.

Doch weit gefehlt! Die Geschichten sind wunderbar. Manches unterhält, manches rührt, bei manchem stockt der Atem – wie bei der Erzählung vom kurzen und traurigen Leben der kleinen Johanne -, aber alles zieht in den Bann. Besonders schön finde ich, wie nebensächlich und dadurch tatsächlich gleichberechtigt lesbische Lebensweise in den Episoden dargestellt wird.

Fazit meines Leservergnügens: Zettelgeschichten auf jeden Nachttisch, in jeden Rucksack und jeder Freundin als Geschenk.

 

Kathrin Pläcking, Zettelgeschichten. Freiburger Verlag 2009

 

gelesen von Jule Blum