Katrin Boese: Zelda Fitzgerald

Die Autorin hat sich intensiv mit dem Leben der Fitzgeralds, ihren Biografien und Werken sowie Erinnerungen von Zeitgenossen beschäftigt. Ihre gewissenhafte Recherche und ihre Sachkenntnis waren die Grundlage für den Roman über eine außergewöhnliche Frau. Boese war nach der Lektüre zu dem Schluss gekommen, dass Zelda Fitzgeralds Biografie neu interpretiert werden müsse. Sie benutzt das vorhandene Material, um Sara Mayfield, die lebenslange Freundin Zeldas, die Geschichte des berühmten Paares und vor allem der geliebten Freundin erzählen zu lassen. Boese verdichtet, ergänzt fehlende Fakten, fügt aber immer wieder authentische Zitate an.

Zelda ist ein kluges, lebenslustiges und wunderschönes Mädchen. Mit 15 wird sie vergewaltigt, von dem Mann, der bald darauf ihre beste Freundin heiratet. Sie ist begabt und zielstrebig. Tanzt, malt, schauspielert und schreibt. Sehr jung noch heiratet sie F. Scott Fitzgerald und an der Seite dieses egoistischen Alkoholikers wandelt sich ihr Leben. Er verbietet ihr alles, was ihr wichtig ist. Erfolg gönnt er ihr nicht. Er misshandelt und erpresst. Er entfremdet ihr ihre Tochter. Er benutzt ihre Tagebücher und persönliche Briefe für seine literarische Arbeit. Besonders neidet er Zelda literarische Erfolge. Ihre Geschichten lässt er unter seinem Namen erscheinen. Die Herausgabe ihrer Romane versucht er mit allen Mitteln zu verhindern. Sie muss seine Schulden begleichen. Als Scott nichts mehr einfällt, Zelda mundtod zu machen, lässt er sie in psychatrische Kliniken einweisen. Dort verbringt sie Jahre ihres Lebens. Nach ihrem Tod bestätigen Ärzte: Nein, es habe keinerlei Anzeichen für Schizophrenie gegeben. Nach Scotts Tod lebt Zelda wieder in ihrer Heimat Montgomery. Sie macht lange Spaziergänge, betet für Scott, malt, stellt aus, hält Vorträge, engagiert sich beim Roten Kreuz … und lebt in bitterer finanzieller Not.

Was hätte diese so außergewöhnlich starke Frau doch alles schaffen können, wenn man sie gelassen hätte. So bleibt sie jahrzehntelang in Co-Abhängigkeit zu ihrem Ehemann, kann der Falle nicht entkommen und kapituliert schließlich. So leben, dass ich frei atmen kann. So lautet ein Zitat Zelda Fitzgeralds, dass dem Buch als Untertitel beigefügt wurde. Oh, wie sehr habe ich Zelda beim Lesen des Buches ein solches Leben gewünscht!

Der Autorin ist es gelungen, ein überzeugendes Bild von Zelda Fitzgerald zu zeichnen, überzeugender als bisherigen Biografien. Großartiger Lesestoff, der auch sprachlich eine geübte Feder verrät.

 

Katrin Boese: Zelda Fitzgerald. AvivA Verlag. Berlin. 2010

 

gelesen von Elke Heinicke