Kulturlesbenspektakel – Podiumsdiskussion auf dem LFT 2008 Dresden

In einer spannenden und lebhaften Podiumsdiskussion diskutierten miteinander und mit dem Publikum:
Sybille Wais vom Lesbenkaufhaus, Bea Trampenau als die Gründerin verschiedener Lesbenprojekte und -vereine, Gwendolyn Altenhöfer als Schlampenkulturschaffende und Märchenerzählerin, Jule Blum als Geschäftsführende Vorstandsfrau des Lesbenring e.V., Ulrike Janz, die den Bochumer Frauenbuchladen geführt, die Ihrsinn herausgegeben hat und in-zwischen auch Tanzpädagogin ist, Jenny Oepke für den Lesbenfrühling e.V., Ange Hesling als Landlesbe und Gründerin des Künstlerinnenprojektes Tartart, Hilke Pleken vom Elblesbenspektatkel und Andrea Krug als Verlegerin. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Elke Heinicke vom Lesbenring e.V.

Was ist das Besondere an Lesbenkultur und ist sie rebellisch wurde da gefragt,über Lesbenräume und ihr Verschwinden, Lesbenkultur im Internet und die Sichtbarkeit von Lesben heute wurde diskutiert, über einen Lesbenfeiertag und seine möglichen Formen nachgedacht.

Am Kulturbeutel von Ulrike Janz zum Beispiel zeigt sich, was Lesbenkultur für sie ist: etwas Schickes und Besonderes und gleichzeitig etwas Alltägliches – Lesbenkultur vereint beide Qualitäten.

Andrea Krug erinnerte an die ungeheure Leistung und wahnsinnige Vernetzungsarbeit, die hinter der Tatsache steht, dass wir heute alles auf lesbisch machen können: Bücher, Tanzen, Kino, Kneipen, Kurse, Konzerte, Sport, … Deutlich wurde in der Diskussion aber auch, dass viele Lesben- und Frauenräume verloren gegangen sind und ihre Anzahl heute wesentlich geringer ist als in den 70/80er Jahren. Bea Trampenau machte deutlich, dass Kultur solche Fixpunkte, Treffpunkte, eine Infrastruktur braucht, von der aus sich Vernetzung und Inhalte entwickeln und ausbreiten können. Inwieweit die virtuellen Denkräume des www dafür Ersatz sein können oder sind, blieb strittig.

Auch das Rebellische an Lesbenkultur wurde unterschiedlich beurteilt. Solange an Schulen die gleichen homophoben Schimpfworte wie vor 20 Jahren Konjunktur haben, solange Lehrerinnen nur in Ausnahmefällen an ihrer Schule out sind, solange ist das Sichtbarwerden als Lesbe Rebellion.

Aber wollte die Lesbenbewegung nicht viel mehr als sie angetreten ist? Nicht Toleranz und Akzeptanz, sondern eine andere Gesellschaft?

Würde es sich nicht lohnen, noch einmal darüber nachzudenken? wandten Einige ein. Immer wieder betont wurde die wertschätzende Umgangsweise miteinander, die Lesben sich erarbeitet haben – egal ob es um die Diskussionskultur auf dem LFT oder im Beginenhof geht.

Ob um die Vielfalt in Beziehungsmodellen oder die Überwindung patriarchaler Körperbilder – das Kulturschaffende ist die Etablierung neuer Werte und Umgangsweisen. Wäre das alles nicht Grund genug, Lesben mit einem Lesbenfeiertag zu feiern?

Auch da kamen viele Gedanken, die es sich lohnt weiter zu denken … Lesbenjahr ist Lesbentag meinte Ange Hesling und plädiert dafür, den Alltag intensiver zu leben.

Feiern ist immer gut und ein gemeinsames Datum müsste sich doch finden lassen, warf Gwendolin Altenhöfer ein.

Wenn das ein Tag mit staatlicher Anerkennung ist, hat das durchaus seinen Reiz, findet Bea Trampenau, schließlich hat der Staat bis heute die Verantwortung für die Verfolgung von Lesben in der Nazizeit nicht übernommen. Oder doch lieber einen lesbischen Tag der Arbeit mit einem Kongress auf dem gearbeitet und gedacht wird? warf Andrea Krug ein. Spannende Ideen, über die es sich lohnt weiter nachzudenken …

Karis Schneider
Lesbenring-INFO Juni/Juli 2008