Lakhashmir hat was gewonnen

Eigentlich ist Lakhashmir der absolute Pechvogel. Auch und vor allem, was das Gewinnen angeht. Das war schon immer so, ehrlich jetzt mal. Als Kind an der Losbude allenfalls mal ein Trostpreis. Diese mit einem bunten Netz überzogenen Papierbälle, bei denen das dünne Gummiband nach spätestens fünf Minuten gerissen ist. Zum Beispiel. Oder eine von den winzigen Tütchen einer Bonner Süßwarenfabrik, deren eigentlich bärchenförmiger Inhalt längst durch Alter und äußere Umstände zu einem unappetitlichen klebrigen Fladen degeneriert gewesen ist. Oh ja, Glück und Lakhashmir in einem Satz, das geht gar nicht.

Doch jetzt hat Lakhashmir doch tatsächlich mal etwas geworden. Sie war nämlich über die Pfingsttage in Köln. Beim Lesbenfrühlingstreffen. Hat sich dort mit vielen anderen schrecklich darüber gewundert, wer dieses Riesenevent wohl organisiert haben mag. War irgendwie nie eine zu sehen. Orga incognita. Und sie hat sich über den unangenehmen Patriarchen hinter dem Essensstand geärgert und darüber, dass sie beim Abendprogramm nicht den Saal gekommen ist. Obwohl, da gab es wenigstens die Leinwand draußen. Vielleicht lernen es die Orgas ja irgendwann, das Abendprogramm für diejenigen zu organisieren, die die Dauerkarten gekauft haben.

Lakhashmir hätte schon gern die Möglichkeit, ein bisschen Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung von so einem LFT. Mehr Einfluss jedenfalls als bei dem allgemeinen Gemecker am Montagmorgen. Abschlussplenum nennt sich diese drollige Veranstaltung. Hat viel von einem Ritual und eine dieser rituellen Zeremonien ist eine Verlosung. Für all diejenigen, die ihre Karten fürs LFT schon im Voraus bezahlt haben. Hat Lakhashmir natürlich gemacht. War zwar nur eine Sozialkarte, aber immerhin. Was die Orgas haben, das haben sie, oder?

Und dann wurde bei der Verlosung doch tatsächlich ihr Name gezogen. Vor lauter Aufregung hat sie beim Hinstolpern zur Bühne gar nicht richtig mitbekommen, was sie denn nun gewonnen hat. Später beim Öffnen des großen braunen Umschlags wurde die Verwirrung auch nicht wirklich weniger. Ein Jahr Mitgliedschaft im LSVD, das ist ihr Preis.

Lakhashmir ist irritiert. Die Mitgliedschaft in einem politischen Vereins zu verlosen, findet sie ausgesprochen merkwürdig. Merk- oder sogar fragwürdig. Eine seltsame Art, an neue Mitfrauen zu kommen. Die müssen es ja schrecklich nötig haben. Dass sie auf solche Zwangsrekrutierung angewiesen sind.

Was kommt als nächstes? Buchklub, Zeitschriftenabo, Versicherungen? Vielleicht kommen ja auch die Parteien auf die Idee. FDP, SPD, die Grünen? Oder irgendwelche Randparteien rüschen auf diese Art und Weise ihrer Mitgliederzahlen ein bisschen auf.

Lakhashmir ist empört und hat den Umschlag zurückgeschickt.

Porto zahlt Empfänger, also ehrlich jetzt mal!