Lakhashmir lehrt was

Zurzeit ist Lakhashmir ein wenig unzufrieden mit ihrem Leben. Sie fühlt sich unausgefüllt, intellektuell nicht ausreichend gefordert. Fürs Gehirn taugt der Putzjob in der Bank nicht wirklich. Und ihr Gewissen hat auch nach Jahren noch was dagegen, für die Finanzoligarchie zu arbeiten.

Schließlich hat sie auch viel gelernt. Und studiert.  Kirchengeschichte. Aber als sie sich mit dem Patriarchat überworfen hat, hat sie das auf der Stelle abgebrochen. Und zu Psychologie gewechselt. Der Abschluss ist allerdings irgendwie auf der Strecke geblieben. Ist ja eh alles akademisch-patriarchalischer Mist. Welche braucht das schon? Lakhashmir jedenfalls weiß, was sie kann. Und das ist nicht wenig, viel mehr jedenfalls als das einseitig ausgerichtete Zeug auf den Unis.

Jetzt hat sie sich überlegt, dass es nicht recht ist, ihr Wissen nur für sich zu behalten und dass sie anderen Frauen eine Menge zu geben hat. Und überhaupt wird es Zeit, dass auch Lakhashmir ein Stücken vom Kuchen abbekommt, endlich aufhört, ständig von der Hand in den Mund leben zu müssen. Sie wird Heim-Referentin! Damit ist nämlich bestimmt ein Haufen Geld zu verdienen, Lakhashmir weiß schließlich, was die Kurse in Frauenbildungshäusern kosten. Sie wird feministische Bildung in ihrer Wohnung anbieten.
Den ersten Entwurf für einen Ankündigungsflyer hat sie schon in ihren PC getippt.

Montags und mittwochs  von 17.00h bis 18.30h: Lerne deine Katze ganz besonders kennen: Katzenaura lesen und deuten.

Dass Lakhashmir diese außergewöhnliche Gabe besitzt, hat sie durch Zufall bei ihrer Freundin Elvira herausgefunden. Die hat nämlich eine Katze. Und wenn Lakhashmir die Augen ein bisschen zusammenkneift und dabei den Kopf heftig schüttelt, dann kann sie so einen wunderbaren flauschigen Lichtkranz um das Tier erkennen. Die Farben geben ihr immer Auskunft über die momentanen Befindlichkeiten der Katze. Neulich wusste Lakhashmir schon 10 Minuten ehe es passierte, dass das kleine Mistvieh Elvira kratzen würde. Hätte die mal lieber gleich auf sie gehört, anstatt  das Tier weiter mit dem Wollfaden zu ärgern!

Dienstags und donnerstags ebenfalls von 17.00h bis 18.30h (Lakhashmir ist ja auch an der nicht selbstbestimmt berufstätigen Zielgruppe interessiert): Mantraatmen.
Schließlich hat sie jahrelange Erfahrung im Mantrasingen. Und über Atemtechniken zwei Bücher gelesen. Diese beiden Dinge zusammen zu bringen, findet sie schlichtweg genial. Sie darf nicht vergessen, das zum Patent anzumelden.

Freitags hält sie sich frei, dafür denkt sie aber schon über ein Wochenendseminar dann und wann nach. Was Kreatives natürlich. Und ökologisch. Vielleicht Traumfänger basteln aus alten Autoreifen. Gegen die ganz schweren Albträume.

Nun ist ihr Flyer fertig. Etwas schlicht im Layout, aber Lakhashmir ist mit sich zufrieden. Sie bringt ihr Werk gleich in den Bioladen und mogelt ihn in einen der zahlreichen Aufsteller. Wahre Qualität braucht keinen Hochglanz, die Frauen erkennen gute feministische Bildung, wenn sie sie sehen. Wäre ja noch schöner.

Ehrlich jetzt mal!

Eure Lakhashmir