Lakhashmir macht Geschichte

Es ist der 8. März und Lakhashmir kramt die schwere schwarze Lederjacke aus dem Kleiderschrank. Ist ganz schön weit nach hinten gerutscht, das gute Stück. Liebevoll streicht sie über den schon ein wenig abgeblätterten Schriftzug auf dem Rücken und überlegt, ob sie ihn wohl noch ein bisschen nachmalen sollte. Wir erobern uns die Nacht zurück hat sie vor vielen Jahren mit Ölfarbe gepinselt. Ach, geht noch, denkt sie, die Patina schadet nicht, können ruhig alle sehen, dass sie nicht erst seit heute Feministin ist. Nun noch das lila Halstuch und schon ist sie fertig für die Stadt. Irgendwo wird sie doch sicher auf Gleichgesinnte treffen.

Vor Woolworth glaubt sie sich bereits am Ziel, doch der bunte Haufen Frauen sammelt sich mitnichten für eine Demo, sondern steht an für ein Gratisglas Sekt zur Feier des Tages. Bei der Sparkasse nebenan verteilen sie Rosen und zwei Schritte weiter gibt’s Frauentagstörtchen von einer Großbäckereikette. Ihre Haare könnte sie sich heute mit 20% Rabatt schneiden lassen – womit der Preis aber immer noch deutlich über dem für einen Männerhaarschnitt liegt. Der Blumenholländer an der Ecke wirbt launig: Schenken Sie Ihrer Sekretärin doch Blumen zum Frauentag! Der Fitnessclub protzt frech: Wir haben jede Woche Frauentag! Und die neue Tiefgarage setzt noch eins drauf: Sicherheit am Frauentag auf unseren bewachten Frauenparkplätzen! Für die abendliche Ü30/ 40/50-Party wird geworben: Heute freier Eintritt für alle Frauen ohne Männerbegleitung.

Nur von einer Demo keine Spur weit und breit, keine politischen Forderungen, kein bisschen Inhalt oder gar Kampfgeist. Entschlossen strafft Lakhashmir die schmalen Schultern und zückt ihren überbreiten schwarzen Edding. Mit Schwung erfährt das Partyplakat eine kleine Änderung. Heute freier Eintritt für alle Frauen in Frauenbegleitung heißt es nun. Die Friseurkette bekommt ein schwungvolles Sexistische Ausbeuter! quer über die Ladenscheibe und Lakhashmir fühlt sich beim Wegrennen um 20 Jahre verjüngt. Mindestens!

Vor der Sparkasse reißt sie dem verdutzten Bankbubi seinen ganzen Rosenstrauß aus den Händen und stellt sich bei Woolworth für den Sekt an. Der Filialleiter ist viel zu verblüfft um zu protestieren, als Lakhashmir das Tablett mit den Gläsern nimmt und diese mit charmantem Lächeln nebst einer roten Rose an die weiblichen Angestellten verteilt. Neue Zeiten erfordern eben neue Aktionsformen.

Ehrlich jetzt mal!

Eure Lakhashmir