Lakhashmir plant die Zukunft

Lakhashmir hat von der Denkwerkstatt des Lesbenrings gelesen. Spannende Sache! Sie macht sich auch gern so ihre Gedanken über die Zukunft. Im Allgemeinen und im Speziellen. Na ja, eigentlich mehr so im Speziellen, wenn sie ehrlich ist. Nämlich zum Beispiel darüber, wie das werden soll mit dem Wohnen. Im Alter, wenn sie grau und klapprig ist. Da wäre so ein Lesbenwohnprojekt doch eine feine Sache. Aber es ist wie verhext. Je länger sie drüber nachdenkt, um so schwieriger scheint die Sache zu werden. Sie hat in der letzten Zeit immer mal wieder welche gefragt, was sie von der Idee halten. Finden natürlich alle großartig. Aaaber: Wenn Corinna mit einzieht, werden Gunhild und Babs, Sarah, Hilde, Bernadette und natürlich Ev, ihre langjährig Verflossene, lieber an den Südpol übersiedeln. Käthe würde nie irgendwo wohnen können, wo Hunde leben und Karin ist allergisch gegen Katzen. Heike Eins ist Gartenfan par exellence, Kerstin hat Ganzjahresheuschnupfen und bekommt angesichts von Lebewesen mit mehr als vier Beinen mit schöner Regelmäßigkeit hysterische Anfälle. Heike Zwei und Drei haben zusammen gefühlte fünfeinhalbtausend Enkel, die sie mit Begeisterung bei sich aufbewahren. In der Mehrzahl ewig schmierige, unglaublich laute kleine Machos, versteht sich. Überhaupt: Die Kinderfrage. Die einen bevorzugen das Zusammenleben mit jungen Lesben, Brutgeschäft inklusive. Für die anderen, vorzugsweise solche, die bereits Jahrzehnte in die Aufzucht investiert haben, ist altershomogenes Wohnen das einzig Denkbare. Es gibt diejenigen, für die nur ein Leben auf dem Land in Frage kommt und diejenigen, die in irgendwas mit unter einer Million Einwohnerinnen nicht mal tot über dem Zaun hängen wollen. Und dann das Männerthema. Wie groß, wie alt? Was bedeutet: zu Besuch? Und wie lange darf ein solcher höchstens dauern? Wie oft im Jahr, im Monat, in der Woche?

Lakhashmir gibt zu, dass sie auch die eine oder andere Eigenheit hat. Ausgesprochen liebenswerte, natürlich. Trotzdem ist sie sich sicher, dass sie wohl am besten mit welchen zusammen ziehen sollte, die auch lieber alleine wohnen. Da hat sie vor einiger Zeit von einer großartigen Idee gehört. Wohnwaben hieß das. Mehr oder weniger große, autonome Wohneinheiten, komplett mit Wasser-, Strom- und sonstiger Versorgung. Und die lassen sich prima transportieren und nach Belieben an andere Waben andocken. Klasse, oder? Ganz begeistert wollte Lakhashmir ihrer Freundin Charlotte am Telefon davon erzählen. Charlotte und sie kennen sich schon seit Ewigkeiten, vielleicht sogar ein bisschen länger. Und mögen tun sie sich auch. Meistens jedenfalls. Charlotte hat allerdings auch zwei Eigenarten. Zum einen hört sie nicht mehr besonders gut. Und zum anderen hat sie eine ausgewachsene Holland-Phobie. Hat irgendwas mit einem völlig verpatzten Urlaub mit vielen Staus auf den Autobahnen und einer Ex aus Rotterdam und deren Wohnwagen zu tun. Lakhashmir kann sich nicht mehr so genau erinnern. Aber als sie Charlotte von der Wohnwabenidee erzählen wollte, hat die immer nur Wohnwagen verstanden. Und angefangen, Gift und Galle zu spucken. Lakhashmir hat sich geduldig bemüht, doch leider war nichts zu machen. Charlotte verstand nur, was sie wollte. Und das wollte sie nicht! Also hat Lakhashmir dann irgendwann leise seufzend aufgegeben. Und mit Charlotte wird sie vermutlich lieber auch nicht zusammenziehen.

Zum Glück hat es mit der Zukunft ja noch ein bisschen Zeit.

Ehrlich jetzt mal.

 

Eure Lakhashmir