Lakhashmir verschenkt sich

Lakhashmir ist ziemlich beschäftigt. Eigentlich hält sie ja nichts von dem ganzen Konsumterror in der Vorweihnachtszeit, aber Geschenke erhalten nun mal die Freundschaft, so hat ihre Großmutter schon immer gemahnt. Also schenkt Lakhashmir – von Herzen, Freundschaften erhaltend und vor allem lesbisch, korrekt und nachhaltig. Gar nicht so einfach, dies alles unter einen Hut zu bringen. Ihre Lieblingsuraltex Rike beglückt Lakhashmir seit Jahren mit Getöpfertem – aus Lesbenhand, versteht sich. Die Teetassen mit Doppelaxt als Griff. Wundervoll symbolisch, aber schwer zu greifen. Verschlungene Frauenzeichen in der Glasur der Müslischale. Eierbecher und Butterglocke im Regenbogendesign. Aber irgendwann ist dann auch der geräumigste Geschirrschrank proppevoll, hat Rike diesen Herbst angedeutet. Was also soll es dieses Jahr sein? Lakhashmir klickt sich durch einschlägige online-Shops. Häkelgardinen mit eingearbeiteter Doppelaxt, dazu passende Topflappen? Regenbogenschal, -schirm oder -socken? Oder der Wärmflaschenüberzug mit Applikation diverser Lesbensymbolik? Lesbenwein vom Busenberg auf Lesbenland? Da lassen sich zumindest die Flaschen recyceln. Mousepads mit kämpferischen Slogans? Bekennerinnen-T-Shirts? Kräutermischungen, von zarter Lesbenhand bei Vollmond auf Lesbos gesammelt? Erotisierendes Massageöl? Aber riecht das alles nicht schon wieder verdammt nach Konsum? Und Erotik und Konsum – das geht ja nun mal gar nicht zusammen, nicht mal geschenkt, findet Lakhashmir. Da greift sie doch lieber selbst zu Küchenmesser und Kartoffel, schnitzt mit Hingabe und stempelt dann süße kleine Doppeläxtchen aufs Geschenkpapier. Nein, Geschenke sollen eine Botschaft tragen. So was wie: Ich schätze dich und weiß, dass du eine bewusste, ökologisch denkende, politisch handelnde Lesbe bist. Zählt das denn nicht so viel mehr, als ein sich perfekt in die Hand schmiegender Teetassenhenkel? Ehrlich jetzt mal.