Lakhashmir war natürlich auch im Urlaub!

Allerdings hat sie als kinderlose Lesbe natürlich wieder nur ein paar Tage frei bekommen. Die mit schulpflichtigen Kindern haben ja sowieso immer Vorrang. Ein wenig diskriminierend ist das schon. Aber Lakhashmir kann sich schließlich nicht über alles aufregen. Ist sie eben in der Nähe geblieben, eine Woche Frauenferienhaus kann ja auch ganz erholsam sein. Hat sie gedacht. Sie hat extra keinen Kurs gebucht, nur einen Zeltplatz und wollte die Ruhe genießen. Lange schlafen, faul in der Sonne liegen, viel lesen. Frau gönnt sich viel zu selten so eine Auszeit.

Vielleicht hätte sie vorher genauer ins Programm schauen sollen. Aber sie hätte im Traum nicht gedacht, dass ausgerechnet ein Meditationskurs so laut sein kann. Das kleine Wörtchen dynamische vor Meditation hatte sie glatt überlesen.

Und parallel dazu eine Gruppe lesbischer Mütter. Die Tage hatten somit eine gewisse Regelmäßigkeit: 6.30 Uhr Wecken durch Trommelmusik und rhythmisches Schreien und Stampfen der Meditierenden. Spätestens 6.45 Uhr Kleinkindergebrüll, wenn die lieben Kleinen noch unausgeschlafen zu quengeln begannen. Bis 13.00 Uhr Kindergeschrei und von 13.00 bis 15.00 Uhr Trotzanfälle der Kinder, die keine Mittagsruhe halten wollten, also eigentlich so ziemlich von allen. Nach 15.00 Uhr tobende Kinder gemischt mit dynamisch meditierenden Kursteilnehmerinnen. Nach 23.00 Uhr zunehmend weniger Kindergeschrei, dafür einsetzendes Getrommel am Lagerfeuer. Lakhashmir sei intolerant, hieß es, als sie um ein wenig Ruhe bat. Irgendwann, egal wann, sie wäre zu jeder Tages- und Nachtzeit über ein bisschen Stille unendlich dankbar und froh gewesen.

Ob Lakhashmir was gegen Kinder hat? Nein! Eigentlich nicht. Und eigentlich auch nichts gegen Meditierende. Sie ist selbst ins Meditieren gekommen in ihrem Urlaub: Zu den 15 lesbischen Müttern und Co-Müttern gehörten 22 Kinder, 21 Jungen und ein Mädchen! Das Mädchen war allerdings mit ihren zehn Jahren die Älteste und stammte noch aus einer früheren Heterobeziehung der Mutter. Die echten Lesbys: Zu 100% kleine Jungs! Die Rache der Göttin? Eine karmische Aufgabe? Ergebnis von zuviel Ungeduld der Mütter bei der Insemination?

Am Anfang hatte Lakhashmir ja noch geglaubt, es wäre DIE Chance, wenn kleine Jungs von ihren lesbischen Müttern so wunderbar feministisch erzogen werden würden. Aber spätestens,  als sie am Mittagstisch im Gespräch ihrer Tischnachbarinnen aufschnappte: Der Moritz ist manchmal so zickig wie ein Mädchen!, flogen sie doch ein paar Zweifel an.

Und als sie später in der Sonne vor sich hindöste – oder es jedenfalls wahnsinnig gern getan hätte – und der zehnte Fußball begleitet vom Siegergeschrei der Mini-Machos und dem Loben der Mütter ob der Treffsicherheit der kleinen Wunderknaben auf ihr landete, verstärkten sich die Zweifel zu schleichender Gewissheit. Auch lesbische Mütter, und allemal die von kleinen Jungs, sind schwer im Zwiespalt zwischen grenzenloser Bewunderung der Frucht ihrer Lenden und dem dringend gebotenen – Grenzen setzenden – erzieherischen Einsatz.

Ehrlich jetzt mal!