Liebesverhältnisse. Das Argument 273. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften.

In meiner Kindheit amüsierten wir uns köstlich über folgenden Witz: Die Lehrerin hat versprochen, dass das heutige Thema die Liebe sein wird. Erwartungsvoll sitzen 25 Schüler (Das Binnen-I gab es damals noch nicht!) vor ihr und lauschen ihren Worten: Liebe Kinder, es gibt viele Arten der Liebe: Die Liebe zwischen Mann und Frau, die Liebe zwischen Eltern und Kindern, die Liebe zu einem Tier. Unser heutigeres Thema aber wird die Liebe zur Sowjetunion sein. Warum mir diese alte Kamelle in den Sinn gekommen ist? Nun, im vorliegenden Band geht es auch um Liebe in der Literatur und im Film, um die Rolle der Liebe in der Familie, um Liebe in der Sozialen Neurologie, Liebe von der Steinzeit bis zum Neoliberalismus, um Tierisches, um schwule und lesbische Subkulturen, sadomasochistische Rollenspiele, Wahlverwandtschaften, Freundschaften.
Meine FavoritInnen: Zu allererst Frigga Haug, die in ihrem Essay der globale Züge annehmenden „Affen“liebe für das Berliner Eisbärbaby Knut auf den Grund geht. Dicht gefolgt von Christine Lehmann, die ich bisher lediglich als begnadete Krimiautorin kannte. Dieses Mal spürt sie als Wissenschaftlerin – allerdings mit ebenso pointierter Sprache wie gewohnt – das Steinzeitmodell im Liebesroman zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf. Wunderschön auch die Betrachtungen von Elfriede Jelinek zum durch und durch geschlechtslos anmutenden Liebesverhältnis von A- und Behörnchen.

Liebesverhältnisse. Das Argument 273. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften. Heft 5/6 2007. Argumentverlag.

gelesen von Elke Heinicke