Lili Grün: Alles ist Jazz

In der Reihe „Wiederentdeckte Schriftstellerinnen“ erfreut der AvivA Verlag dieses Mal mit dem Debütroman der jungen Wiener Jüdin Lili Grün das Herz ihrer bibliophilen Leserinnenschaft. Der 1942 in Maly Trostinec ermordeten Autorin gelang mit Alles ist Jazz ein temporeiches faszinierendes und anschauliches Gemälde des Berlins der 1930er Jahre. Inmitten von Massenarbeitslosigkeit und bitterer Armut lebt die junge Schauspielerin Elli schon seit Wochen vom täglichen Teller Suppe im kleinen Café am Kurfürstendamm. Auch Robert, die Liebe in ihrem Leben, ist bettelarm, genau wie der Rest der kleinen Clique, die allen Widerständen zum Trotz und jetzt erst recht das Kabarett-Kollektiv Jazz gegründet hat. Mit ebenso viel Engagement wie Idealismus gehen die jungen Leute daran, das Publikum von Berlin zu erobern.

Lili Grün hat mit ihrem autobiografisch gefärbten Roman ein mitreißendes Bild des Lebens in Berlin vor Beginn der Naziherrschaft gezeichnet. Die Geschichte besticht gleichermaßen durch das harte schnelle Tempo wie durch die liebevoll gezeichneten Figuren und die witzigen Dialoge. Alles in allem wieder ein wahres Kleinod, von der Herausgeberin Anke Heimberg liebevoll und kenntnisreich in ihrem ausgesprochen lesenswerten Nachwort in den geschichtlichen Kontext gesetzt.

 

Lili Grün, Alles ist Jazz. AvivA Verlag Berlin 2009

 

gelesen von Jule Blum