Lili Grün: Zum Theater!

Nach der Neuveröffentlichung von Alles ist Jazz der gleichen Autorin im Jahr 2009 hat die Herausgeberin Anke Heimberg nun einen zweiten Roman Grüns einem größeren LeserInnenpublikum zugänglich gemacht.  Wie auch beim ersterem ist die sorgfältige erstellte Ausgabe mit einem ausführlichen Nachwort versehen, die insbesondere den autobiografischen Bezug des Romans herausarbeitet. 

Der ursprünglich 1935 unter dem Titel Loni in der Kleinstadt erschienene Roman entführt ins Theatermilieu. Die Hauptfigur Loni hat früh ihre Eltern verloren, wird von den strengen Vormunden nicht geliebt und kaum gefördert, muss eine ungeliebte Modistinnenlehre antreten, ist Statistin im Theater und Schülerin eines älteren Kollegen. Als sich endlich die Chance auf ein Debüt in der tschechischen Provinz ergibt, packt sie die Koffer. Unter Entbehrungen stürzt sich Loni in das Theaterleben, leidenschaftlich lebt sie ein Leben für die Kunst. Während sie erwachsen wird, hat sie eine Liebesbeziehung zu ihrem Theaterdirektor, die zerbricht, um am Ende beide Protagonisten nach einigen Irrungen doch wieder zueinander finden zu lassen. Was diesen Roman auch heute noch lesenswert macht, ist die schnörkellose, klare Sprache von Lili grün, die ein überaus lebhaftes Zeitbild zeichnet. Es ist ein Gewinn, diese talentierte Autorin, die von den Nationalsozialisten als Jüdin mundtot gemacht und schon 1938 ermordet wurde, neu zu entdecken.

 

Lili Grün.  Zum Theater! AvivA Verlag. Berlin. 2011.

gelesen von Elke Heinicke