Lilly_Axster: Dorn

Philippa, die 92jährige Großmutter, stirbt und lässt Pippa, die Enkelin, voll hilfloser Sehnsuchtswut zurück. Als nunmehr einzige Vornamensträgerin schleppt sie schwer am Erbe von Philippa der Ersten, denn diese war nicht nur engagierte Kämpferin für Frauenrechte, sondern auch ebenso engagierte NS-Frauenbündlerin und hat voller Überzeugung an der Schaffung von Lebensraum im Osten gearbeitet. Zwischen sich auflösendem WG-Alltag, antifaschistischen Aktionen und Blogrealitäten wird aus Pippa Phil, die sich ihren Platz in der Verantwortung erst suchen muss.

 

Dorn ist Bestandsaufnahme, Abrechnung, feministische Visionssuche, queere Alltagsbeschreibung und vieles mehr. Und es ist wirklich, wirklich großartig geschrieben. Glasklar, scharfkantig, mit so geschliffenen Formulierungen, dass sich das Denken Schnitte zuzieht. Oftmals zum Innehalten zwingend, nachhaltig (ver)störend. Konfrontativ. Dabei dennoch lesbar bleibend, eine echte Entdeckung.
Und: Als Eine, die das Binnen-I mit erstritten hat, betrachte ich mit stillem zufriedenen Wohlwollen das Selbstverständliche in den Texten der Generation_Unterstrich. Danke auch dafür!

Lilly_Axster, Dorn. Zaglossus e.U. 2012

gelesen von Jule Blum