Luise F. Pusch: Deutsch auf Vorderfrau. Sprachkritische Glossen.

Luise F.Puschs sprachkritischen Glossen begleiten viele von uns nun schon mehr als drei Jahrzehnte. Frau, wie doch die Zeit vergeht! Ach, damals war ich derart begeistert von den witzig-frechen Anfängen der feministischen Linguistik, dass ich als Slawistin sofort die Genusfrage im Russischen unter die Lupe nahm. Ein Habilstipendium hab ich im ersten Anlauf jedenfalls nicht dafür bekommen, vielleicht war die Zeit doch noch nicht reif dafür, aber nächtelang haben wir diskutiert und uns die Köpfe heiß geredet. Und irgendwie ist es unter Feministinnen ja immer umstritten gewesen, ob nun die konsequente Verwendung der femininen Form oder die konsequente Vereinnahmung der männlichen Form samt Verweigerung der abgeleiteten maskulinen Form das einzig Wahre sei. Fast so absurd wie die Frage, ob die Ministerin in Highheels oder die Butch die Welt aus den Angeln heben wird. Warum nicht beide gemeinsam? Ich kann mittlerweile beiden Standpunkten etwas abgewinnen, auch wenn ich in meiner Schule auf dem Binnen-I bestehe.

Mittlerweile bemühen sich selbst Ämter um geschlechtergerechte Sprache, was nicht zuletzt auf die kämpferischen Schriften der Autorin zurückzuführen ist. Frau Pusch beharrt nach wie vor darauf, dass ohne Bestehen auf Feminina Frauen unsichtbar bleiben. Das Thema ist nicht neu, der Standpunkt auch nicht, aber dennoch machen auch die neuen zwischen 2006 und 2010 für den Blog Laut und Luise entstandenen Glossen Spaß. Es geht um kuriose Fragen, wie es denn korrekt geschlechtergerecht heißt –  die Vormund oder die Vormundin? – oder um Verfehlungen wie Lesbin. Die Leserin erfährt, was Vagina und Vanille gemeinsam haben und dass es eigentlich Fräude heißen sollte, denn das Freuen ist sprachgeschichtlich mit der Frau verwandt. Alles nett, lesenswert, unterhaltsam, manchmal absurd bis böse und erinnert mich mal wieder daran, welche Macht Sprache haben kann.

 

Luise F. Pusch: Deutsch auf Vorderfrau. Sprachkritische Glossen.

gelesen von Elke Heinicke