Manon García: Sind Sie noch Katze oder schon Hund? Hochbegabung nach dem Testergebnis.

Die Autorin Manon García ist selbst eine späterkannte Hochbegabte, die heute als Autorin, Coach und Trainerin beruflich mit diesem Thema befasst ist.  Auch wenn es heute mehr Veröffentlichungen über und mehr Diagnose- und Fördermöglichkeiten für hochbegabte Kinder gibt, so ist die Zahl der Erwachsenen, die nichts von ihrer Hochbegabung wissen, immer noch groß. Dies wäre kein Problem, wenn sie alle ein zufriedenes und ausgefülltes Leben führen würden. Allerdings fühlen sich viele irgendwie falsch, unverstanden, fremd – eben wie ein Hund, der versucht, eine ganz normale Katze zu sein. Dieses Bild wird von der Autorin im Buch immer wieder aufgegriffen und es bringt das Problem auf den Punkt.

Sie zeigt, dass fehlende Förderung von hochbegabten Kindern die Weichen für das künftige Leben falsch stellen können. Ihr Hauptanliegen ist es aber zu zeigen, dass auch  zu jedem anderem Zeitpunkt im Leben eine Kurskorrektur möglich ist und nach der späten Feststellung einer Hochbegabung durchaus noch der Weg in ein hochbegabtengerechtes Leben gefunden werden kann. An dieser Stelle ist mir der Text zu redundant, denn selbst wenn eine es bis dahin noch nicht wusste: Auch nach dem 20.Lebensjahr kann die Hirnstruktur noch umgebaut und Neues erlernt werden. Da läuft das Buch dann Gefahr, dass Hochbegabte es bei der dritten Wiederholung gähnend zur Seite legen. Dies wiederum wäre sehr schade, denn dann würden der Leserin inspirierende Anregungen und Denkimpulse entgehen: Woran kann es liegen, wenn ich meine Leistungsmöglichkeiten in der Schule/ im Studium nicht ausschöpfen konnte? Warum gelingt es mir nur bedingt,  auf meine Erfolge stolz zu sein? Warum verstehen andere oft nicht, was ich erkläre? Warum fühle ich mich von ständiger Radio/Fernsehbeschallung oder dem Lärm der Nachbarn überreizt, während andere kein Problem damit haben? Wie kann ich Lernstrategien erlernen? Wie kann ich mein eigenes Ich wieder entdecken? Wie finde ich Gleichgesinnte? Sollte ich mich mit meiner Hochbegabung outen?

Wie wird die Umwelt reagieren? Diese Frage wurde nur angerissen, könnte aber gut in einem zweiten Band bearbeitet werden. Erfahrungen anderer wären eine Hilfe für jeden Hund im Umgang mit Katzen, um nicht jeden Fehler selbst machen zu müssen. Vielleicht lohnt es sich dann sogar nachzudenken, wie der Umgang mit Hochbegabung in der basisdemokratisch orientierten radikalfeministischen Lesbenwelt ist?

Ein kluges, lesenswertes Buch, mit gelungenem Cover. Keine Hochbegabte wird das Buch zur Seite legen, ohne Gewinn daraus gezogen zu haben. Auch wenn ich zu dem im Anhang angeführten Märchen keinen emotionalen Zugang finde, dann ist das doch nur das Zeichen dafür, dass jede Hochbegabte ihre eigenen Bilder finden muss, denn es gibt nicht die Hochbegabte, sondern jeder Mensch mit Hochbegabung ist eine ganz individuelle Persönlichkeit – Dackel, Pudel oder Windhund, nie aber Katze.

Monon García: Sind Sie noch Katze oder schon Hund? Hochbegabung nach dem Testergebnis. Books on Demand GmbH. Norderstedt. 2011.

gelesen von Elke Heinicke