Manuela Kuck: Freispruch

Manuela Kuck: FreispruchLena Bokken war schon als Kind nicht wie alle anderen, begabt (geschlagen?) mit einer Art sechsten Sinn war sie allen stets einen Schritt voraus, was ihr mehr Feinde als Freunde einbrachte. Als Anwältin lernt sie später, diese erstaunliche Intuition für ihre Arbeit zu nutzen, hält sich für unbesiegbar. Bis sie eines Tages nach Strich und Faden aufs Kreuz gelegt wird und Karriere und Selbstvertrauen dahin bröseln wie viel zu trockene Kekse.

Noch Jahre später wird sie nur bei Fällen eingesetzt, bei denen nichts schief gehen kann, wie der Verteidigung von Karin Weber, die des Mordes an ihrer dementen Tante verdächtigt wird. Auch hier scheint alles völlig klar zu sein, doch plötzlich meldet sich Lenas außergewöhnliche Fähigkeit wieder zurück und bringt sie prompt in brandgefährliche Situationen…

Die Welt ist ein chaotischer Ort und da sind Manuela Kucks Geschichten wie anheimelnd leuchtende kleine Inseln, auf die sich die Leserin für kurze Auszeiten zurückziehen kann. Die Guten sind gut, die Bösen böse, werden aber manchmal ein bisschen besser und am Ende kriegen alle, was ihnen zusteht  – so würde sich frau doch auch das richtige Leben wünschen. Aber Kuck wäre nicht die brillante, virtuose Geschichtenerzählerin, die sie ist, steckte in ihren Büchern nicht ein gefährlich hohes Suchtpotential. Trotz aller Gradlinigkeit enorm spannend, Schmökervergnügen der allerhöchsten Güteklasse.

„Freispruch“? Von wegen! Schuldig im Sinne der Sinne der Anklage. Das Buch lässt sich nicht aus der Hand legen und so kam der Nachtschlaf zu kurz, die Katze hat gehungert, der Liebsten wurde nicht zugehört und die Kinder vernachlässigt. I’m loving it…

Manuela Kuck, Freispruch. Verlag Krug &Schadenberg, Berlin 2010

gelesen von Jule Blum