Manuela Kuck: Liebe Lügen

Manuela Kuck ist wieder da! Nachdem wir eine ganze Weile auf ihre Geschichten aus der weiten Lesbenwelt verzichten mussten, hat der Verlag Krug und Schadenberg uns pünktlich zum Beginn der Herbstnieselschnupfenzeit einen neuen Roman der Autorin beschert. Ein wenig erinnert er an frühere Werke, bei denen sich Katastrophe auf Katastrophe ballte, ganz kurz vor Ende aber alles in rasantem Tempo einem fulminanten Happyend entgegen steuerte.

Ein ganz klein wenig erinnert die Geschichte aber auch an Romanzen a la Kallmaker, nur dass es nicht ganz so romantisch zugeht. Erst auf der vorletzten Seite kriegen sich die von Anfang an füreinander bestimmten Protagonistinnen und Sex gibt es zwischendurch nur auf Nebenschauplätzen, eher ohne damit die Handlung auch nur um Millimeter voranzubringen, wird mit Springseilen aus dem Materiallager eines Fitnessraums gefesselt. Wow! Früher ließ Kuck noch mit roten Seidentüchern fesseln.

Was also ist das Neue und Überraschende an Kucks Comeback? Spätestens nach dem ersten Drittel wandelt sich der Roman in einen handfesten Krimi. Es geht um Datenklau und Wirtschaftsspionage, geheime Treffs und verdeckte Ermittlung in einem mondänen Berliner Frauenhotel. Erzählt wird abwechselnd und im Zeitstrahl sich überlappend mal von Lisa, die den dringend benötigten Job im Hotel bekommt und ohne es zu wissen eine Rolle in der Ermittlung spielen soll. Mit Lisas Eigeninitiative hat Hannah, die Ermittlerin, nicht gerechnet. Hannah erzählt die Geschichte zu Hause ihrer nach zwei Schlaganfällen gelähmten Schwester. Die dritte Erzählerin im Bunde ist Charlotte, die mit Marie ein neues Leben beginnen will, bis sie erfährt, wer Marie wirklich ist.

Verwirrend? Alle Erzählstränge führen ins Frauenhotel, wo sich alle Protagonistinnen begegnen. Verbunden sind sie ebenso durch aktuelle, als auch weit zurück liegende Ereignisse. Was am Anfang verwirrend wirkt, ordnet sich zunehmend in klare Muster.

Die großartige Geschichtenerzählerin Manuela Kuck verwöhnt ihre Fangemeinde – wie kaum anders zu erwarten – ein weiteres Mal mit fesselndem Lesestoff. Aufgrund ihrer klaren Sprache und ebensolcher Bilder werden ihr unter Garantie noch weitere Herzen zufliegen. Ich würde jedenfalls sofort im Hotel Marlene buchen, dessen Atmosphäre so trefflich im Coverfoto eingefangen ist.

Und wenn auch am Ende dieses Mal nicht alles gut ist, so ist das Ende doch zumindest der Anfang einer Romanze.

 

 

Manuela Kuck. Liebe Lügen. Verlag Krug und Schadenberg. Berlin. 2009

 

gelesen von Elke Heinicke