Manuela Torelli: Psychoanalyse lesbischer Sexualität.

Manuela Torelli: Psychoanalyse lesbischer Sexualität.bestellen…alt Vor dem Hintergrund psychoanalytischer, sozialpsychologischer und feministischer Theorien werden in diesem umfangreichen Theorieband viele Aspekte weiblicher und lesbischer Sexualität detailliert dargestellt. Die Autorin greift hierbei auch eine Reihe von Vorurteile auf, wie sie in der lesbischen Szene seit langem gepflegt werden. Ihrer Meinung nach sind diese Vorurteile aus den Diskriminierungserfahrungen entstanden und werden von Lesben als Abwehrstrategien eingesetzt. Weiter geht sie davon aus, dass Zuschreibungen von Schuld auf den Vater oder die Männer im Speziellen und Allgemeinen ein Hemmnis dafür darstellt, dass lesbische Frauen die Verantwortung für eine eigene vitale Sexualität annehmen können.

Nach Torellis Meinung leiden lesbische Frauen sowohl unter dem Penis- als auch unter dem Gebärneid – eine angesichts der unglaublich vielen lesbischen Mütter allein in meinem Bekanntenkreis recht merkwürdige These.
In ausführlichen Gesprächen mit lesbischen Frauen werden Themen wie sexueller Missbrauch oder die „kontraproduktive Isolierung, die manche lesbischen Frauen in der feministischen Szene suchen“, dargestellt und analysiert.

 

Ich gestehe, ein bisschen unwohl ist mir immer dabei, wenn sich heterosexuelle PsychotherapeutInnen oder PsychoanalytikerInnen mit lesbischer Sexualität beschäftigen. Denn immer sind wir aus diesem Blickwinkel die „anderen“, sind wir diejenigen, die anders sind, die erklärt werden müssen.
Ein durchaus streitbares Buch, randvoll mit allen nur erdenklichen Ansätzen psychoanalytischer Theorie, mit der eine kritische Auseinandersetzung alle Mal lohnenswert erscheint.

Manuela Torelli, Psychoanalyse lesbischer Sexualität. Psychosozial-Verlag, Gießen 2008

gelesen von Jule Blum