Marion Heister: Gefühlte Gleichstellung. Zur Kritik des Gender Mainstreaming.

Marion Heister erläutert einführend den Begriff und die Methoden des Gender Mainstreaming. Sie stellt die Frage, warum Frauen auch heute noch so meilenweit entfernt sind von einer Gleichstellung, wenn sie doch formal längst über die gleichen Rechte wie Männer verfügen.
Welche Chancen räumt sie nun dem Gender Mainstreaming bei der Erreichung einer realen Geschlechtergerechtigkeit ein? Keine nennenswerten in absehbarer Zeit, so die ernüchternde Antwort.
Männer sperren sich, was sich besonders fatal auswirkt, da sie in den Führungsetagen sitzen und Impulsgeber sein müssten. Auch Frauen stehen Gender Mainstreaming eher skeptisch gegenüber, da sie selbst oft Hinweise auf frauenspezifische Benachteiligungen als diskriminierend empfinden und die symbolische Ordnung der männlichen Macht als die natürliche verinnerlicht haben. Gender Mainstreaming bleibt oberflächliche Kosmetik, wenn doch die AkteurInnen selbst nicht außerhalb dieser Ordnung operieren können. Veränderungen würden sich nur mit gutem Willen der Verantwortlichen umsetzen lassen, Sanktionen gibt es nicht. Realistisch betrachtet gehen jedoch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Demontage des Sozialstaates im Moment ganz besonders zu Lasten von Frauen. In den Medien wird von neuer Mütterlichkeit getönt und Geschlechtergerechtigkeit scheint es höchstens in einem Paralleluniversum zu geben.
Und so bleibt auch das reale Umsetzen der Geschlechtergerechtigkeit schwammig, denn kaum jemand kann sagen, worin diese denn letztendlich bestehen könnte. Ist bei einer Sportförderung selbige z.B. erreicht, wenn neben Fußball Mutter-Kind-Turnen angeboten wird oder wenn gleich viele Männer wie Frauen Fußball spielen? Festigt Gender Mainstreaming am Ende gar Geschlechterklischees?
Pilotprojekte wurden bisher hauptsächlich im Verwaltungssektor durchgeführt. Verlorene Liebesmüh, viel Wind um nichts meint Heister, denn Erwachsene sind in ihrer Geschlechtsidentität bereits derart gefestigt, dass Veränderungen nur schwer möglich sind. Viel versprechend dagegen wären Projekte im Vorschul- und Schulbereich, wo derzeit noch zu wenig getan wird.
Tja, vorerst wird wohl im Ergebnis des Gender Mainstreaming höchstens einen Zuwachs an gefühlter Gleichstellung bringen. Frau fühlt sich immerhin gleichberechtigter, selbst wenn die Realität ganz anders aussieht.
Ein spannendes Buch. Unbedingt zu empfehlen, insbesondere für PädagogInnen.

Marion Heister: Gefühlte Gleichstellung. Zur Kritik des Gender Mainstreaming. Ulrike Helmer Verlag. Königstein/Taunus

gelesen von Elke Heinicke