Martina Löw (Hgin.): Geschlecht und Macht Analysen zum Spannungsfeld von Arbeit, Bildung und Familie

Macht ist auch heute noch ein nicht unbelasteter Begriff in so mancher frauenbewegter Runde: Emotional aufgeladen ist die Diskussion, da wird von Eigenmacht, Gestaltungsmacht und Machtmissbrauch geredet, nicht immer klar differenziert und mächtig aneinander vorbei geredet. Löw hat Beiträge zusammengestellt, die sich mit der Machtfrage im Geschlechterverhältnis beschäftigen. So geht es um Angela Merkels Weg zur Macht (Arbeitsthese: Sie ist zum Glück unterschätzt worden und deshalb nicht aufgehalten worden.)

(Korte), darum, wie die Machtverhältnisse bei der Familiengründung und die Kosten der Kinder in der heutigen Zeit verteilt sind (Arbeitsthese: Lebensführung von jungen Frauen und Männern vor der Familiengründung hat sich weitgehend angeglichen, damit ist es aber schon beim ersten Kind vorbei.) (Geissler). Gildemeister/Günther untersuchen Machtverhältnisse in Professionellen Berufen wie Arzt, Richter und Pfarrer (traditionelle Berufsfelder des Patriarchen, heute mit relativ hohem Frauenanteil, allerdings auch Statusund Autonomieverlust), Organisationsdominierten Berufen (sogenannten Normalarbeitsverhältnissen) und bei Freelancern in Kulturberufen. Die Abhängigkeit der Aufstiegsprozesse von Geschlecht in Migrationsfamilien wird bei Apitzsch thematisiert, Zusammenhänge von Karriere und Geschlecht in Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft bei Kreckel. Gemeinsames Fazit: Frauen haben in der Bildung enorm zugelegt, Männer teilweise schon überholt, was diese in keinster Weise daran hindert karrieremäßig die Nase vorn zu behalten. Thurn vermittelt Einsichten in Gedanken von sechzehnjährigen SchülerInnen einer Laborschule zu Geschlecht, Macht und Zukunftserwartungen (Mädchen entschuldigen sich häufig für gute Leistungen oder werten sie selbst ab.). Nickel untersucht, was Frauen von Macht in Unternehmen fern hält, Bereswill reflektiert über die Wirksamkeit von Gender Trainings und schließlich rundet Mayer mit Betrachtungen der Berufsbildungsmöglichkeiten für Frauen im 19.Jahrhundert und der Würdigung der Leistungen von Doris Lütkens, Johanna Goldschmidt und Emilie Wüstenfeld den Band ab.

 

Martina Löw (Hgin.). Geschlecht und Macht. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden. 2009

Gelesen von Elke Heinicke