Monika Geier: Schwarzwild

Während einer Wanderung durch den winterlichen Pfälzer Wald verirrt sich eine der mitwandernden jungen Frauen und wird selbst nach stundenlangen Suchaktionen nicht gefunden. Ihre Wanderkameradin, eine junge schwangere Ärztin, wendet sich an Kriminalkommissarin Bettina Boll, weil sie in einem Schwarzwildgehege einen menschlichen Hüftknochen gesehen zu haben glaubt. Boll und ihre Mannschaft beginnen zu ermitteln und nach und nach tauchen immer mehr Leichen auf. Unter der wohlanständigen Fassade der Pfälzer Wander- und Winzerwelt liegt kommt ein Sumpf aus Eifersucht, Missgunst, Rassismus neonazistischen Umtrieben zu Tage.
Lang war die Wartezeit auf Monika Geiers vierten Krimi mit der Ludwigshafener Kommissarin Bettina Boll, die als stets überforderte und übernächtigte Ermittlerin zwischen ihrer Arbeit und den beiden kleinen Adoptivkindern hin und her gerissen ist. Doch leider reicht dieser vierte Band nicht ganz an das Niveau seiner Vorgänger heran. Trotz eines überausspannenden Plots bleiben die Figuren seltsam blass und uninspiriert, vor allem die Hauptprotagonistin Boll wirkt blutleer und nicht zu Ende geschrieben.
Trotz allem ist Schwarzwild beileibe keine Krimidurchschnittskost, dafür ist Geier – selbst wenn sie mal nicht in Höchstform gewesen zu sein scheint – viel zu gut. Sie ist eine Meisterin in der Beschreibung menschlicher Abgründe unter der dünnen Firnis der Zivilisation. Ich bin schon sehr gespannt auf Fall Nummer Fünf und will vor allem unbedingt wissen, ob es denn nun wirklich klappt mit der Halbtagsstelle für Kommissarin Bettina Boll…

Monika Geier, Schwarzwild. Ariadne Krimi 1174, Argument Verlag Hamburg 2007

gelesen von Jule Blum