Demobeitrag 2008 Dresden

 

Liebe Lesben!

Im Herbst vergangenen Jahres feierten wir 100 Jahre Lesbenbewegung – mit einem beeindruckenden Geschichtsbuchprojekt des Querverlags und einem riesigen Fest in Berlin.

100 Jahre Lesbenbewegung – ein schöner Anlass zu erinnern. 1908 waren Lesben inspiriert von den Vorreiterinnen der ersten Frauenbewegung. Aufgrund des Vereinsgesetzes trafen sie sich in privaten Zirkeln, häufig getarnt als Spar- oder Wanderverein. Ob sie wohl die weltweit erste lesbenpolitische Rede der Anna Sprüngli von 1906 kannten?

1918 wurde endlich die Presse- und Versammlungsfreiheit in Deutschland durchgesetzt. Das eröffnete auch für Lesben neue Möglichkeiten. In großen Städten entstanden Lokale und Treffpunkte. Ein Jahr dauerte es noch bis zum Erscheinen des Romans „Der Skorpion“. 1928 tanzten Lesben zum Italienischen Abend im Frauenklub Violetta. Sie sangen das „Lila Lied“, die Hymne der Homo-Emanzipation und lasen mit glühenden Wangen das neu erschienene Buch „Quell der Einsamkeit“. Gedenken wir derer, die ihr Coming-out im Jahre 1938 hatten. Lokale und Treffpunkte wurden in der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen und seit 1937 konnten selbst nicht straffällig gewordene Personen wegen abweichender Lebensweise verhaftet werden, darunter zahlreiche Lesben.

1948 war eine Frau ganz selbstverständlich Hausfrau und fürsorgliche Mutter. Keine rosigen Zeiten für Lesben! Trost spendete wenigstens die Zeitschrift „Die Freundin“. 1958 wurde jedes Wochenende in Damenfreundschaftslokalen getanzt, geflirtet und geliebt. Öffentliche Sichtbarkeit und Anerkennung von Lesben waren noch Zukunftsmusik.

1968 flog die Tomate und die 2. Frauenbewegung war geboren. Viele Lesben schlossen sich ihr begeistert an. 1978 pilgerten die Lesben im östlichen Teil Deutschlands zum Treffen nach Mahlsdorf, während lesbe im westlichen Teil ihre Liebste auf einem der legendären Frauenfeste kennen lernte und mit ihr zu den Klängen der Flying Lesbians in den Liebeshimmel schwebte. Lesestoff gab es im neu eröffneten Frauenbuchladen Amazonas in Bochum.

1988 waren die Lesben in der DDR Lieber öffentlich lesbisch als heimlich im DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands). Sie hörten Jugendradio DT64, trafen sich im Sonntags-Club oder in Lesbengruppen unter dem Dach der Kirche. Auf den Film „Coming-out“ mussten sie genauso wie auf die Gründung des Unabhängigen Frauenverbandes in der Berliner Volksbühne noch ein Jahr warten. Im Westen war lesbe radikalfeministisch, Bewegungslesbe aus Überzeugung. Sie fuhr zum LFT nach Münster und wurde Mitfrau im Lesbenring, der inzwischen als bundesweiter Dachverband gegründet worden war.

1998 las lesben Ariadne-Krimis, abonnierte „Lespress“, hatte bei „Kommt Mausi raus?“ an der Mattscheibe geklebt, fuhr zum OstLesbenCamp und war natürlich in einem der zahlreichen Lesbenprojekte aktiv.
Wir begrüßen alle Lesben, die ihr Coming-out im Jahr 2008 gefeiert haben! Sie kennen die L-Word-Mädels. Sie dürfen sich verpartnern. Sie bringen Lesbys zur Welt, informieren sich online, vernetzen sich und sind neugierig auf 100 Jahre Lesbengeschichte.

Erinnern wir uns!

Es gibt eine Menge zu erzählen.
Und – jedes Jahr ist ein gutes Jahr für ein erfolgreiches Coming-out.

Elke Heinicke, Pressesprecherin des LR e.V.
Lesbenring-INFO Juni/Juli 2008

Silvy Pommerenke: Küsse in Pink. Das Lesbische Coming-out-Buch.

bestellen… Braucht es schon wieder mal ein Coming-out-Buch? Gibt es inzwischen nicht stapelweise Coming-out-Literatur?, wird sich die eine oder andere fragen. Ich bin überzeugt, dass dieser neue Ratgeber begeisterte Leserinnen finden wird. Schließlich erlebt jede Generation ihr Coming-out neu und ist es für jede junge Frau, deren Freundinnen und Eltern einzigartig.
Obwohl mein eigenes Coming-out schon eine ganze Weile hinter mir liegt und ich altersmäßig eher zur Elterngeneration der heutigen Junglesben gehöre, hatte ich beim Lesen eine Menge Spaß. Das lag vor allem daran, dass die Autorin die Informationen in kleine Geschichten verpackt. Allerdings wirken die Geschichten dann oft doch ziemlich konstruiert und sind in der Sprache sehr eindimensional. Silvy Pommerenke: Küsse in Pink. Das Lesbische Coming-out-Buch. weiterlesen

Manuela Torelli: Psychoanalyse lesbischer Sexualität.

bestellen…alt Vor dem Hintergrund psychoanalytischer, sozialpsychologischer und feministischer Theorien werden in diesem umfangreichen Theorieband viele Aspekte weiblicher und lesbischer Sexualität detailliert dargestellt. Die Autorin greift hierbei auch eine Reihe von Vorurteile auf, wie sie in der lesbischen Szene seit langem gepflegt werden. Ihrer Meinung nach sind diese Vorurteile aus den Diskriminierungserfahrungen entstanden und werden von Lesben als Abwehrstrategien eingesetzt. Weiter geht sie davon aus, dass Zuschreibungen von Schuld auf den Vater oder die Männer im Speziellen und Allgemeinen ein Hemmnis dafür darstellt, dass lesbische Frauen die Verantwortung für eine eigene vitale Sexualität annehmen können.

Manuela Torelli: Psychoanalyse lesbischer Sexualität. weiterlesen

Karin Kallmaker: Dein Herz sei mein.

bestellen… Marissa Chabot betreibt zusammen mit ihrer Freundin Ocky die Partnervermittlungagentur Dein Herz sei mein. Die Arbeit ist stressig, das Geschäft boomt, doch sonst ist nicht viel los in Marissas Leben. Vor allem ihr Liebesleben liegt schrecklich brach, wofür sie in erster Linie ihr Übergewicht verantwortlich macht. Von ihrer Mutter bekommt sie eine Kreuzfahrtreise geschenkt, die schon in der ersten Nacht mit einem Schiffbruch endet. Im Rettungsboot lernt Marissa die hinreißende Linda kennen, eine umwerfende Schönheit, mit der sie unvergessliche Tage auf einer Südseeinsel verbringt. Doch nach der Rückkehr in den Alltag meldet sich Linda nicht wieder, es vergeht ein Jahr, in dem Marissa vieles an sich und ihrem Leben ändert. Karin Kallmaker: Dein Herz sei mein. weiterlesen

Walburga Hoff: Schulleitung als Bewährung. Ein fallrekonstruktiver Generationen- und Geschlechtervergleich.

Welche von uns hatte eine Schulleiterin im Gymnasium? Wie war es mit den Aussichten von Lehrerinnen auf eine Leitungsfunktion bestellt? Was macht eine erfolgreiche Schulleiterin aus?
Hoff gibt mit ihrem historischen Einstieg Antworten auf einen Teil dieser Fragen.
Sie leitet das 20. Jahrhundert mit Helene Lange ein, die  Schulleitung als pädagogische Aufgabe versteht, die Seele und Verstand erfordere. Deshalb seien insbesondere Frauen befähigt, diese Aufgabe zu übernehmen. Schulleitung als Ausdruck einer geistigen Mütterlichkeit der zöllibatär lebenden Lehrerinnen.
Erstmals wurde Frauen 1908 durch die Mädchenschulreform die Möglichkeit eingeräumt, das Leitungsamt einer höheren Mädchenschule zu übernehmen.
Walburga Hoff: Schulleitung als Bewährung. Ein fallrekonstruktiver Generationen- und Geschlechtervergleich. weiterlesen