pro:fem (Hg.): Das feministische Dschungelbuch. Expedition durch den Alltag.

Viel Arbeit in die Vorbereitung der letzten Veranstaltung gesteckt und dann vor leeren Stuhlreihen gesessen? Die alljährliche Vorbereitung der Frauentagsveranstaltung treibt den Verantwortlichen nur noch ein Gähnen ins Gesicht? Frauen/Lesbenpolitik ist längst alltägliche Routine und schlichtweg langweilig geworden?
Nun wenn das so ist, dann ist das Dschungelbuch die richtige Lektüre zur rechten Zeit. Auch den 9 Vertreterinnen Hamburger Mädchen- und Frauenprojekte war die immer größer werdende Kluft zwischen Pflichtbewusstsein einerseits und Frustration und Langeweile andererseits sauer aufgestoßen. Die Luft ist raus.

Junge Frauen interessieren sich einfach nicht für Politik. Wir erreichen ja sowieso nichts. Wohl kaum eine Runde von Politikaktivistinnen bleibt von solchen oder ähnlichen Stoßseufzern verschont. Was ist geschehen? Wo ist die Begeisterung der Jahre des Aufbruchs geblieben?

 

Forderungen der Frauenbewegung sind mittlerweile durch staatliche Institutionen vereinnahmt worden – Gewinn und Verlust zugleich für die Bewegung. Die Medien erzählen die Mär vom Tod des Feminismus und der Politikmüdigkeit Jahr um Jahr – womöglich haben wir selbst angefangen, daran zu glauben?

Unter Leitung von Frigga Haug haben sich die Autorinnen im Rahmen einer konzentrierten Workshopwoche daran gemacht diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Sie analysieren erlebte Situationen und öffentliche Texte (FAZ, Thea Dorn), dekonstruieren, spüren die nicht benannten Leerstellen auf. Das Dschungelbuch ist das Tagebuch der Forschungsreise, deren vorläufiges Fazit – Lust und Spaß zu Prüfkriterien für politische Arbeit und Feminismus zu ernennen – aufhorchen lässt. Vorgehensweise und Resultate sind gut nachvollziehbar und wie geschaffen für eigene Bestandsaufnahmen. Kurzum: Ich wäre gern dabei gewesen bei dieser ungewöhnlichen Expedition. Aber ausgerüstet mit dem vorliegenden Werkstattbericht lohnt es sich, den ein oder anderen prüfenden Blick auf die feministische Lesbenpolitik zu werfen.

pro:fem (Hg.): Das feministische Dschungelbuch. Werkstatt-Texte 02. Argument Verlag. Hamburg. 2007

gelesen von Elke Heinicke