Regina Nössler: Auf engstem Raum

Kann es eine friedlichere, weniger bedrohlichere Idylle geben als einen leicht verstaubten kleinen Schreibwarenladen mitten in Berlin, in dem Chefin und Chef nebst etlichen studentischen Aushilfskräften ganz unzeitgemäß den KundInnen auch mal einzelne Bögen Geschenkpapier zu ornithosanitären Zwecken oder eine abgezählte Menge Heftklammern verkaufen? Wohl kaum … und doch lauert in dieser liebenswürdig nostalgischen Nische des Bürobedarfeinzelhandels ein subtiles Grauen, das sich wie ein verderblicher Hauch auf alles und jeden legt. Er vergiftet die Arbeitsbeziehungen, verstört die Kundinnen, peinigt die Angestellten und – tötet…

Nössler schreibt unnachahmlich lakonisch und dennoch mit einer solchen Liebe zum Detail, dass die Leserin das Papier, das Holz der Bleistifte förmlich zu riechen meint und der in der Luft tanzende Staub fast im Hals kratzt. Kaum merklich erhöht sie die Spannung dieses auf sehr leisen Sohlen daher kommenden Thrillers und lässt altmodische Betulichkeit mitunter quälend langsam zu einem grotesken Albtraum werden.

 
Regina Nössler, Auf engstem Raum. konkursbuch Verlag, Tübingen 2011

gelesen von Jule Blum