Sandra Wöhe: Die indonesischen Schwestern.

Sandra Wöhe - Die indonesischen SchwesternDie indonesischen Schwestern ist nach Lass mich deine Pizza sein (Ulrike Helmer Verlag) und Giraffe im Nadelöhr (ebenfalls konkursbuch)der dritte Roman der in Zürich lebenden  Autorin mit indonesisch-holländischen Wurzeln. Erstmalig setzt sie sich hier intensiver mit einem Thema auseinander, das starke autobiografische Bezüge aufweist: Multikulturelles Leben, Integration, Verlust einer kulturellen Heimat.

Die drei Schwestern einer indonesischen Mutter und des bereits verstorbenen deutschen Vaters sind in ein Dorf in Nordrhein-Westfalen gezogen. Obwohl im Haus des Vaters lebend, sind sie die Fremden, die argwöhnisch beobachtet und allzu oft ausgegrenzt werden. Während die Mutter versucht, den Weg der Integration zu gehen ohne die Verbindung zu den traditionell indonesischen Werten im Alltag zu verlieren, tanzen die Töchter zwischen verschiedenen kulturellen Bezügen: Mal schwindelerregend wie Yasmin, die selbst noch lange nicht erwachsen ein Kind bekommt, die Identität des Vaters jedoch nicht offenbaren will. Sie verliert den Bezug zur Realität, fühlt sich mehr und mehr von deren Anforderungen überfordert und flieht schließlich hinter Klostermauern. Ihre Schwester Jola hat die Aufgaben des älteren Bruders übernommen, verliebt sich in eine Frau und wagt ihr Coming out, während das Nesthäkchen Gritta mal ihre Würde mit Fäusten gegenüber den Mitschülern zu verteidigen weiß, dann wieder  Kopftuch trägt und sich den Werten des Islam zuwendet. Drei Schwestern, drei Wege sich der Welt zu stellen. Kiwi, das Kind Yasemins, steht dagegen für die dritte, bereits in Deutschland geborene Generation, deren Mutterkuchen im Garten des Vaterhauses vergaben ist. Sie macht sich daran, ohne Scheu, selbstbewusst  und mit großer Neugier ihre Umwelt zu erforschen. Ihre Ausflüge bereiten den drei Frauen ihrer Familie einiges an Kopfzerbrechen, zeigen aber, wie sicher und geborgen sich das Mädchen in ihrer Familie fühlen muss.

Sandra Wöhes Roman beschreibt jeweils einen Tag im Leben der Frauen in aufeinander folgenden Jahren. Beim Lesen stellt sich eine Vagheit ein, schwankend zwischen Banalitäten und tieferen Weisheiten, deren Grenzen oft genug verschwimmen. Wer sich darauf einlassen kann, wird eine Ahnung davon bekommen, was es heißt, zwischen den Kulturen aufzuwachsen. Mit Abstand der stärkste von Wöhes Romanen.

Sandra Wöhe. Die indonesischen Schwestern. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen. 2011

gelesen von Elke Heinicke