Sarah Sajetti – Chiara, Simona und die anderen

Nun wird es wieder mal italienisch im Berliner Lesbenverlag! Der Roman entführt uns in die Mailänder Lesbenszene der Gegenwart. Welche jetzt nur an patriarchatskritische Buchladenrunden denkt, die wird schnell belehrt, dass es darüber hinaus eine Menge mehr zu entdecken gibt.

Erzählt wird ein Kriminalfall bei dem einige Lesben aus der Szene sich durch illegalen Handel mit chinesischen Antiquitäten den exzessiven  Drogenkonsum und einen luxuriösen Lebensstil finanzieren und eine am Ende ermordet wurde. Doch der ganze Kriminalfall wird – so verkündet die Autorin gleich zu Beginn – nur aufgerollt, damit sich unsere Protagonistin Chiara in die ermittelnde Kommissarin verlieben kann und damit die Haltung politisch aktiver Lesben zur Staatsmacht thematisiert werden kann.

Frisch fröhlich wird von stets wechselnden Liebesabenteuern erzählt, jede neue Figur ist eine Ex oder war eine kurze Affäre oder hat einmal die Freundin ausgespannt. Das Szeneleben scheint aufreibend, insbesondere durch unentwegtes Feiern und reichlich fließenden Alkohol und ganz selbstverständlich konsumierte Drogen. All das wird rasant und leicht rotzig erzählt, wäre tatsächlich als eine italienische Spielart von L-WORD abzutun, wie der Klappentext meint, aber immer wieder werden politische Themen aus der Szene geschickt eingeflochten ohne dass der Text an  Lebendigkeit, Glaubwürdigkeit oder Erzählfluss verliert und das macht diesen Roman zu etwas Besonderen. Großes Lob auch an die Übersetzerin Julika Brandestini!

Sarah Sajetti. Chiara, Simona und die anderen.
Verlag Krug & Schadenberg. Berlin. 2012

gelesen von Elke Heinicke