Sarah Waters: Die Muschelöffnerin

Nancy muss schon als Kind im Restaurant ihrer Eltern als Muschelöffnerin arbeiten, ein hartes Leben mit nur wenigen Zerstreuungen. Aber als sie die Sängerin Kitty auf der Bühne der Music Hall in Canterbury sieht, ist in Nancys Leben plötzlich nichts mehr, wie es war. Völlig hingerissen verfällt sie Kittys Charme, verlässt ihr Zuhause und folgt der Angebeteten nach London. Doch Kitty schafft es nicht, ihre Liebe zu Nancy offen zu leben und die Beziehung der beiden zerbricht. Nancy gerät in die Fänge der reichen Diana und ihrer Damen des Cavendish-Clubs, denen sie als bloßes Sexspielzeug zu Diensten sein muss. Doch glücklicherweise findet lesbisches Leben auch im Viktorianischen Zeitalter nicht nur in Künstlerinnenkreisen und unter versnobten Ladys statt…

Nachdem Sarah Waters Roman, übersetzt von der 2008 verstorbenen Susanne Amrain und zuerst in deren Daphne-Verlag erschienen, jahrelang vergriffen war, gebührt den beiden Bücherheldinnen Andrea Krug und Dagmar Schadenberg – spätestens jetzt ist euch euer Platz im Lesehimmel sicher! – Jubel, Dank und Anerkennung für die Rettung dieses literarischen Kleinods. Gewichtige 560 Seiten in erotischem Rot, das leichtgeschürzte Bild des Filmcovers zum Wiedererkennen, das sind sozusagen der Muschelöffnerin neue Kleider. Ein wunderbares Buch, viel zu schade, um nur einmal gelesen zu werden.

Sarah Waters, Die Muschelöffnerin. Verlag Krug & Schadenberg, Berlin 2011

(wieder) gelesen von Jule Blum