Sibylle Plogstedt: Erbenstreit und Mediation. 21 Familienkonflikte.

Im Grunde meines Herzens bin ich ja doch der Meinung, dass Erben ein zutiefst patriarchales, kapitalistisches Ding ist. Nichtsdestotrotz liegt meine ausschließlich rebellische Phase weit genug zurück, um zu wissen, dass es nicht so verkehrt ist, sich auch mal mit den Fragen hinter den Dingen zu beschäftigen. Mit Neugier habe ich also das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gelesen und bin jetzt mehr denn je der Meinung: Erben und Erbschaftsregelungen sind ein zutiefst kapitalistisches und patriarchales Relikt. Wer ohnehin zu den Wohlhabenderen gehört, erbt im Durchschnitt mehr als andere. Frauen erben in der Regel selten und darüber hinaus weniger als ihre Brüder und weiteren männlichen Verwandten. Kommt es zu einem Streit zwischen den Erben eines Unternehmens, sind massiv Arbeitsplätze gefährdet.
Die dargestellten Fallbeispiele lesen sich interessant, oft fühlte ich mich geradewegs zu den Buddenbrocks zurück versetzt. Gefehlt haben mir allerdings Hinweise auf Stiftungen, Möglichkeiten, wie der ganze Erbschaftsstress von vornherein zu umgehen ist und dafür zu sorgen, dass Kapital doch in Frauenhänden bleibt.
Ein nützlicher Ratgeber für alle, die aktuell oder perspektivisch in Erbschaftsgeschichten verwickelt sind. Mir kann das ja alles nicht passieren, oder? Aber das hätten vorher wohl die meisten Betroffenen behauptet…

Sibylle Plogstedt. Erbenstreit und Mediation. 21 Familienkonflikte. Ulrike Helmer Verlag. Königstein/Taunus. 2008

gelesen von Elke Heinicke