Silvia Tennenbaum: Rachel, die Frau des Rabbis

Rachel Sonnshein ist fast Vierzig, Mutter eines 16jährigen Sohnes, Frau des Rabbiners einer jüdischen Gemeinde in einer Kleinstadt in der Nähe von New York. So weit, so gut. Oder auch nicht. Denn Rachel ist diese konventionelle Welt viel zu eng. Ihre Leidenschaft für Baseball und bunte, auffällige Kleidung sind kleine Rebellionen gegen die öde, engstirnige Vorstadtgemeinde. Die repräsentativen und karitativen Aufgaben einer Rebbezin sind ihr lästig, die Treffen des Frauenbundes ein Gräuel, die enorme Bewunderung der weiblichen Gemeindemitglieder für ihren Mann ein Quell ständiger Eifersüchte. Sie träumt davon, die bürgerliche Enge der Vorstadt hinter sich zu lassen und sich endlich ihrer Karriere als Malerin zu widmen.

Autorin Silvia Tennenbaum weiß, wovon sie spricht, wenn sie aus dem Leben einer Kleinstadtrebbezin erzählt. Selbst über dreißig Jahre mit einem Rabbiner verheiratet, plaudert sie witzig-ironisch aus dem Nähkästchen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und hat damit eine Menge erzkonservativer jüdischer Gemeinden gegen sich aufgebracht. Trotzdem oder gerade deshalb war das Buch in den USA ein Bestseller und ich wünsche es dem AvivA-Verlag sehr, dass es bei uns ebenso erfolgreich wird. Großartige Voraussetzung dafür ist mit Sicherheit die eindrucksvolle Übersetzung von Claudia Campisi, behutsam und lebendig und so nah am Original, dass die Leserin nicht das Gefühl hat, ein übersetztes Buch zu lesen. Höchstes Lob!

Silvia Tennenbaum, Rachel, die Frau des Rabbis. AvivA Verlag, Berlin 2010

gelesen von Jule Blum