Simone Frieling: Im Zimmer meines Lebens. Biographische Essays über Sylvia Plath, Gertrude Stein, Virginia Woolf, Marina Zwetajewa u.a.

Virginia Woolf, deren berühmter Oxforder Vortrag (A Room of One’s Own – Ein eigenes Zimmer) neben einer gleichlautenden Gedichtzeile von Anne Sexton namensstiftend  für diesen wunderbaren kleinen Essayband gewesen sein dürfte, wird ebenso kenntnisreich und berührend porträtiert wie Katherine Mansfield, Gertrude Stein, Marina Zwetajewa, Natalia Ginzburg, Sylvia Plath, Anne Sexton, Else Lasker-Schüler, Elisabeth Langgässer und Kate Millett.

Geld und ein eigenes Zimmer – unabdingbare Voraussetzung, damit eine Frau kreativ sein und schreiben könne, hatte Woolf 1928 gefordert. Oftmals fehlt(e) den Frauen selbst dies: Zwetajewa hauste mit Kind auf einem eiskalten Dachboden, Plath hatte mit ihren Kindern nur eine winzige Wohnung und schrieb des Nächtens am abgeräumten  Küchentisch. Doch es gab und gibt auch Privilegierte wie Stein, deren Arbeitszimmer einem Bildermuseum glich oder Woolfs Landhaus in Sussex mit Blick auf den Garten.

Eindrücklich und lange nachdenklich machend zeigt Simone Frieling anhand von Auszügen aus Romanen, Gedichten, Tagebüchern und Briefen, welchen Platz die Porträtierten einnehmen konnten und unter welch unglaublichen Umständen Weltliteratur entstehen konnte, allen äußeren Widrigkeiten zum Trotz.

Simone Frieling, Im Zimmer meines Lebens. Biographische Essays über Sylvia Plath, Gertrude Stein, Virginia Woolf, Marina Zwetajewa u.a., edition ebersbach, Berlin 2010

gelesen von Jule Blum