Sonja Eismann (Hg.in): Hot Topics. Popfeminismus heute.

Die mit zierlichen Kreuzchen gestichelten Kapitelüberschriften sind Programm: Album, Sexualität, Körper, Medien, Do it yourself, Feminismus, Musik, Comics. Auf vielfältige Weise tragen die von Eismann in diesem Band versammelten Autorinnen zu einer Bestandsaufnahme bei, zeichnen sie ihr ganz persönliches Bild des Feminismus. Die Autorinnen sind so mehr oder weniger um die Dreißig, zwischen 1970 und 1982 geboren. Sie setzen sich auseinander mit Themen wie Verhütungspraktiken, der Fragwürdigkeit der Pille, mit Abtreibung und Zwangsberatung, Essstörungen, Pornografie, sexualisierter Gewalt, Homophobie, dem Konflikt zwischen Selbstverwirklichung und Mutterrolle.

Manche Beiträge lesen sich nicht so anders als die vor zwanzig Jahren zu Papier gebrachten persönlichen Auseinandersetzungen mit diesen Fragen. Einige Male liegt der reiferen Leserin vielleicht ein Das haben wir doch immer gesagt auf der Zunge. Aber immer wieder gibt es ganz neue, unerwartete Blickwinkel auf scheinbar Bekanntes. Was hat die Zwangs-Rötelnimpfung für pubertierende Mädchen mit der Sozialisierung in die FrauenMutterrolle zu tun? Wie funktioniert selbstbestimmtes Arbeiten unter den Bedingungen der Prekarisierung?

 

Feministische Betrachtungen zu Mode, Fußball, Soaps, dem Weiblichkeitswahn in Bulgarien oder HipHop sind genauso erfrischend wie die Einführung ins Konzept der Ladyfeste. Warum nutzen Feministinnen so wenig die neuen Medien? Warum sind sie nicht präsenter im Netz? Ich hab erfahren, dass Stricken und Sticken durchaus ein radikalfeministischer Befreiungsakt sein kann, dass junge Frauen und Mädchen ihre selbst hergestellten Zines (eine Art kollektives Tagebuch, das für ungeübte Augen eher Schülerzeitungscharme ausstrahlt) weltweit tauschen und als Ausdrucksmittel für feministische Positionen nutzen.

Freie Radiosender, Collagen, Fotos, Grrrl Zines,  Installationen, Performances sind die Medien der jüngeren Feministinnen. Sie sind Musikerinnen, Craftistas, Cyberfeministinnen, suchen nach ihren feministischen Wurzeln, sie kingen, legen Platten(?) auf oder unterhalten Distros für selbstgebastelte Zines. In jedem Fall haben sie eine Menge zu sagen und es lohnt sich ganz sicher zuzuhören… nur keine übereilten Schlüsse, auch wenn das Cover eher eine Neuauflage der Siebziger vermuten ließe.

Sonja Eismann (Hg.in). Hot Topics. Popfeminismus heute. Ventil Verlag KG. Mainz. 2007

gelesen von Elke Heinicke