Sonja Steinert: Maschas Geschichten

Mascha, Soziologin mit Stipendium für eine Biografieforschungsarbeit, ist süchtig nach Anfängen.
Aber ihre Schwierigkeiten liegen offensichtlich darin, bei etwas zu bleiben und ihren Platz darin zu finden. In den lebensgeschichtlichen Interviews, die sie mit Frauen zwischen 40 und 50 – in ihrer Lebensmitte – führt, steht sie auch immer wieder vor der Frage, welche Rolle sie als Beobachterin spielt und spielen will. Stets aufs neue sucht sie Ausflüchte aus der Wirklichkeit, taucht ein in das Leben anderer ein oder fantasiert sich in die Begegnung mit einer geheimnisvollen Unbekannten.

Erst gegen Ende ihrer Arbeit scheinen eine Perspektive für ihr weiteres Leben und eine ganz wirkliche neue Liebe echte Realität werden zu können.

 

Eine ordentliche Portion Interesse für Biografie Forschung muss die Leserin schon mitbringen, um in Sonja Steinerts Buch konzentriert bei der Sache zu bleiben. Die vielen soziologischen Details sind doch eher was für echte Fans. Sprachlich ist das Buch allerdings ausgesprochen gelungen. Die Sprache ist knapp, distanziert und sehr sachlich, wodurch Maschas Distanziertheit zur wirklichen Welt sehr glaubhaft und erfüllbar wird.

Sonja Steinert, Maschas Geschichten. Milena Verlag Wien 2007

gelesen von Jule Blum