Sophie Tieck-Bernhardi: Julie Saint Albain. Herausgegeben von Hannelore Scholz-Lübbering.

Sie gehören nicht zum Schulkanon und sie stehen in nur wenigen Bücherschränken: die Schriftstellerinnen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.  Friedrich Tieck wurde berühmt als Dichter der Romantik, sein Bruder Friedrich Tieck als Bildhauer, die Schwester Sophie Tieck schrieb allen Hindernissen zum Trotz: Sie bildete ihre Fähigkeiten autodidaktisch aus. Sie schrieb während Schwangerschaften, trotz Krankheit, Flucht und Scheidung. Teilweise musste sie anonym veröffentlichen. Und doch schuf sie außergewöhnliche Literatur.

In der Geschichte der jungen Julie geht es um ein Verwirrspiel der Gefühle, um Liebe und Betrug, Verlassen und Wiederfinden. Verhandelt werden dabei Liebes- und Ehekonzepte, das romantische Liebesideal und Geschlechterrollen. Die Handlung wird in einer Reihe von Briefen, unterbrochen durch Erzählpassagen und Dialoge vorangetrieben. Alles in allem eine kühne Wortmeldung einer jungen Frau jener Epoche.

Interessant zu lesen insbesondere im Zusammenhang mit dem Vorwort der Herausgeberin zu Zeitgeschichte und biografischem Hintergrund der Autorin.

Sophie Tieck-Bernhardi. Julie Saint Albain. Herausgegeben von Hannelore Scholz-Lübbering. Edition klassikerinnen. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/Taunus. 2011

gelesen von Elke Heinicke