Stefanie Zesewitz. Wie ein Versprechen

Mit Wie ein Versprechen ist Stefanie Zesewitz ein großartiger historischer Roman gelungen. Sie zeichnet ein Bild der Jahre zu Ende der 20er und zu Beginn der 30iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ihre Protagonistin Dina ist in der ostfriesischen Provinz aufgewachsen, doch es zieht sie in das mondäne Hamburg, das ihr die Welt bedeutet. Ihre Eltern willigen in den Plan nur ungern ein und nur unter der Bedingung, dass Dina bei Tante Luise wohnt und die Hauswirtschaftsschule besucht.
Tante Luise wird schnell zu Dinas Vertrauter, die Hauswirtschaftsschule liegt ihr aber gar nicht. Der Laden eines Fotografen am Schulweg interessiert sie viel mehr als Backen, Kochen oder Bügeln. Schließlich beginnt Dina eine Lehre im Atelier und sich die Stadt mit ihren verborgenen Winkeln durch die Linse einer Kamera zu entdecken. Als sie die Medizinstudentin Selene kennen lernt, verliebt sie sich Hals über Kopf. Einfach ist diese Liebesbeziehung nie, denn Selene ist eine engagierte Kommunistin und bald überschattet der heraufziehende Nationalsozialismus das Leben der beiden jungen Frauen.
Die Handlung sprüht manchmal vor Lebensfreude, ein anderes Mal sind die Frauen tief verzweifelt. Zesewitz erzählt von Liebe, von Hingabe, von Verlust, von Bedrohung und Solidarität. Ein Buch, das die Leserin kaum wieder aus der Hand legen mag. Eine Geschichte, die nachdenklich stimmt, erzählt in klaren Bildern.

Stefanie Zesewitz. Wie ein Versprechen, Querverlag, Berlin. 2013

gelesen von Elke Heinicke