Suzana Tratnik: Farbfernsehen und Sterben

Die Geschichten erzählen vom Alltag im ehemaligen Jugoslawien, von Familie und Verwandten, Tod und Krankheit, von Schule und Arbeit und von der Freundschaft. Davon, wie wichtig sie ist, egal in welchem Alter. Ob die Oma mit ihren langjährigen Weggefährtinnen oder die sehr jungen Heldinnen der Kurzgeschichten: ohne die Freundinnen wäre ihr Leben unvollständig und sehr viel ärmer. Sie sind Halt und Stütze in einer sich ständig wandelnden Welt, auch wenn sie düstere Prophezeiungen ausstoßen oder die Schweine aus dem Stall lassen, plötzlich ihr Geschlecht ändern oder das schönere Faschingskostüm haben.

Der gewollt kindliche Blick auf die geschilderten Ereignisse wirkt mal naiv, mal schwer erträglich altklug, ist entlarvend und verklärend zugleich. Tratniks Stil ist lakonisch, ihre Sprache seziert und führt vor, ihre Bilder sind drastisch und beunruhigend lebendig. In schlüssiger Kinderlogik werden Zusammenhänge hergestellt, die hinter viel Alltäglichkeit oftmals Absurditäten aufblitzen lassen. Ein Dank an die Damen von zaglossus für diese literarische Entdeckung!

Suzana Tratnik, Farbfernsehen und Sterben. zaglossus Verlag, Wien 2012

gelesen von Jule Blum