Tania Witte. leben nebenbei.

Tania Witte schreibt, was viele lesen, aber nur wenige schreiben wollen/können – Fortsetzungen. Und das, ohne auch nur eine Minute zu langweilen.

Wer Tania Wittes ersten Roman beziehungsweise liebe gelesen hat, kennt sie schon: die ebenso verschrobene wie ganz normale und dazu noch überaus liebenswürdige Freund_Innenclique aus Berlin. Auch dieses Mal passiert eine Menge im turbulenten Alltag der recht zahlreichen Protagonistinnen. Doch Witte behält die Fäden ihrer Geschichte immer sicher in der Hand, selbst wenn die Ereignisse sich überschlagen.

Marte kann ihre große Liebe Tekgül nicht vergessen, bekommt ihr Wunschkind und als sie gerade beginnt, sich neu auf eine Beziehung zu einem Südafrikaner einzulassen, verliert sie ihren geliebten Sohn. Die Urlesbe Nicoletta schwört auf Polybeziehungen, ist seit Jahren heimlich in Tekgül verliebt, bekommt aber nur ab und zu Freundinnensex von ihr und dann holt sie noch ihre so gar nicht lesbische Vergangenheit ein. Die wunderschöne Tekgül mit irisch-türkischen Wurzeln modelt, steht auf Polybeziehungen und S/M-Spiele. Ausgerechnet mit der gefühlskalten Karrierefrau Johanna, einer langjährigen Freundin Nicolettas, lebt sie diese aus. Johanna ist plötzlich verschwunden, auf Selbstfindungstrip in Südafrika. Nicolettas Mitbewohner und engster Vertrauter Clemens zieht mit der Transfrau Liza und dem von Nicoletta ausgetragenen Kind, dessen Vater Liza ist, aufs Land, um den Traum einer glücklichen Familie zu leben. Und Manu und Sandy sind das monogame Lesbenpaar in der Runde. Selbst produzieren sie so wenig Dramen, dass sie sich ständig um die Katastrophen im Freundeskreis kümmern müssen, bis sie dann beschließen, sich zu verpartnern und ihnen plötzlich harsche Kritik des sonst so betont toleranten Umfelds entgegenschlägt. Queerer geht’s ja wohl nicht!

Witte versteht es, in einer rasanten Sprache temporeiche Geschichten zu erzählen und verknüpft sie absurd-komisch über die Ex-Putzfrau von Johanna, die das Treiben der Clique beobachtet. Und ich lag beim erraten ihres eigentlichen Berufs knapp daneben.

Lesespaß 5 von 5

innovativ 5 von 5

lesbisch 4 von 5

literarisch 4 von 5

Tania Witte. leben nebenbei. Querverlag. Berlin. 2012.

gelesen von Elke Heinicke