Traude Bührmann: durchatmen.

Die Liebesbeziehung zerbrochen, die WG aufgelöst, hat es die Protagonistin Alex Klose in eine ungeliebte, kleine Wohnung verschlagen. Sie, die immer von luftigen Lofts geträumt hat, findet sich in der miefigen Enge eines 50er-Jahre-Milieus wieder. Es fühlt sich an wie eine Verbannung, zurück dahin, von wo sie geflohen zu sein glaubte. Alex packt die Umzugskisten nicht einmal aus, sie will Vergänglichkeit sinnlich begreifenund wird süchtig nach Einsamkeit. Vorerst zeigt sich die Vergänglichkeit in ungespültem Geschirr und wachsenden Müllbergen in ihrer Wohnung. Weil sie kaum mehr mit anderen spricht, verkommt ihre Stimme zu einem Krächzen. Flecken auf dem T-Shirt und fettige Haare verlieren an Bedeutung, denn Alex konzentriert sich auf innere Stimmen. Ihre Freundinnen dringen nicht mehr zu ihr durch.

Verliert Alex sich selbst, als sie die Bahnen ihres wohlgeordneten Lebens verlässt? Oder findet sie endlich zu sich selbst? Lässt sie alles sie Beschwerende los? Oder wird sie vom Gewicht der sie umgebenden Welt erdrückt? Kann sie das Wesen der Dinge erfassen? Oder verliert sie jede Relation für die wichtigen Dinge im Leben? Taucht Alex in ihrem Chaos völlig ab? Oder wird sie dem Atemrhythmus folgend ihren ganz eigenen Weg finden?

Traude Bührmann, deren poetische Stimme den Leserinnen bereits seit den 80er Jahren vertraut ist, hat für dieses Buch Fundstücke aus dem Berliner Stadtleben verarbeitet. Sätze und Gesprächsfetzen, Gesten und Bilder, die ihr zugetragen wurden, wandelten sich zu Inspirationen und Anstößen und wurden in diesem Kurzroman zu einem Gesamtbild von philosophischer Tiefe verwebt.

Traude Bührmann. durchatmen. konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen. 2011

gelesen von Elke Heinicke