Trix Niederhauser: Das Tantenerbe

Musikjournalistin Micha erbt überraschend ein beachtliches Anwesen, das ihrer verstorbenen Tante, Schwester ihrer Mutter, gehörte und beschließt kurzerhand, das große Haus zu renovieren und selbst mit Freundinnen zu bewohnen. Es stellt sich heraus, dass die Tante eine überaus erfolgreiche Schriftstellerin gewesen ist, die Micha wegen eines Familienzwists leider nie kennen gelernt hat. Im Zuge der Renovierung finden sich Kisten mit Dokumenten, die Licht ins Leben der Autorin und ihrer Liebesbeziehung zu einer Frau bringen und Micha beginnt, die Biografie ihrer berühmten Verwandten zu schreiben.

Das Tantenerbe ist ein Unterhaltungsroman im Stil der „Gartenlaube“ und damit wird’s für die Rezensentin auch schwierig. Als Persiflage gelesen ist es streckenweise amüsant, auf Dauer aber nicht wirklich glaubhaft und als Roman in der heutigen Zeit bringt es die Leserin schnell zu der Frage, wie viel Happy End verträgt eigentlich ein Buch? Ein fettes Erbe – Haus und Vermögen – UND die Frau der Träume für immer und ewig UND ein tolles Zusammenleben mit der besten Freundin UND ein Buchdebüt, das sofort zum Bestseller mutiert, nachdem Film und Fernsehen Schlange stehen, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen, die auf gut 270 Seiten so in Ordnung kommen. Mir ist das ein wenig zu üppig, ganz so viel rosaroten Zuckerguss vertrage ich nicht besonders gut und dass, obwohl es durchaus Bitteres zu kauen gibt. Es mag mittlerweile anders zulässig sein, aber außer, wegen oder während verlangen für mein Sprachgefühl den Genitiv. Schon gesprochen klingt es mit Dativ nicht sonderlich schön, aber geschrieben schmerzt es mich. Sehr!
Doch sicher gibt es viele, die so etwas nicht stört und denen es nie süß genug sein kann. Trotzdem oder deshalb meine nicht ganz ernst gemeinte Warnung: Achtung! Für Diabetikerinnen ungeeignet!

Trix Niederhauser, Das Tantenerbe. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach/Taunus 2012

gelesen von Jule Blum