Uli Streib-Brzič (Hg.in): Das lesbisch-schwule Babybuch. Ein Ratgeber zu Kinderwunsch und Elternschaft.

Regenbogenfamilien sind mittlerweile wenn auch nicht in aller, so doch zumindest in vieler Munde. Allerdings geistert durch die Mehrheit der Köpfe wohl vor allem das Bild von Promipaaren, die süße kleine Kinder aus Dritte-Welt-Ländern adoptiert haben. So sieht in der Realität jedoch ein vernachlässigbar kleiner Teil der Lebensumstände aus. Regenbogenfamilien sind mindestens so bunt und unterschiedlich in ihren Bedürfnissen, wie es Farben im Regenbogen gibt.

Die wenigsten Lesben und Schwule adoptieren Kinder. Der Grund dafür ist, dass es in Deutschland wesentlich weniger zur Adoption freigegebene Kinder als adoptionswillige Familien gibt. Darüber hinaus werden meist traditionelle Familien vorgezogen und Lesben und Schwule dürfen immer noch nicht als Paar adoptieren.

 

Jedoch gibt es mittlerweile das Recht auf Stiefkind-Adoption, das heißt der Partner/die Partnerin kann das leibliche Kind ihres Liebsten/ihrer Liebsten adoptieren, falls sie verpartnert sind und der leibliche Elternteil dem zustimmt. Damit aber erlöschen alle verwandtschaftlichen Beziehungen des Kindes zu diesem Elternteil.
Klingt kompliziert? Ich persönlich habe noch kein Lesbenpaar kennen gelernt, die für Kinder, die aus früheren heterosexuellen Beziehungen stammten, diese Regelung in Anspruch genommen hätte. Nicht jeder Vater würde schließlich zurücktreten, nicht jedes Lesbenpaar kann leichten Herzens auf väterlichen Unterhalt für die Kinder verzichten, insbesondere dann, wenn beide Mütter eigene Kinder haben. Und ist es letztendlich überhaupt im Sinne des Kindes, ohne Not alle Bande zu einem biologischen Elternteil zu kappen? Warum eigentlich können nicht mehr als zwei Personen verbindlich Elternverantwortung für ein Kind übernehmen?

Um solch radikale politische Utopien geht es im Babybuch allerdings nicht, wenn auch zumindest das Beispiel von drei für einen kleinen Jungen sorgenden Frauen in das Buch aufgenommen wurde.

Der Ratgeber listet Anlaufstellen, erläutert rechtliche Grundlagen und Fallbeispiele. Er stellt eine praktische Hilfe dar für alle Fragen rund ums Regenbogenkind: Welche Möglichkeiten gibt es für Lesben schwanger zu werden und welche rechtlichen Konsequenzen sind damit verbunden?  Wie sind Unterhalt und Sorgerecht geregelt für Kinder aus einer früheren Ehe? Was geschieht, wenn die Mutter den Namen des Vaters nicht preisgeben will? Wie kommen lesbische und schwule Paare zu einem Pflegekind? Welche Rechte hat eine Co-Mutter? Selbst ein großes Tabuthema wird behandelt: Was, wenn sich die Mutter nach ihrem Coming-out für ein völlig neues unabhängiges Leben ohne Kind entscheidet? Welche Möglichkeiten hat sie, trotzdem eine emotional stabile Beziehung zu ihrem Kind aufrechtzuerhalten?

Viele Adressen, Musterbriefe, Literaturempfehlungen, ein Blick auf gesetzliche Regelungen in anderen Ländern. Ausführliche Darstellungen des geltenden Rechts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hübsche Cartoons von Eva Wagendistel. Etwas irreführend vielleicht der Titel: es geht nicht nur um Babys, Hilfe findet ebenso eine Mutter, die wissen will, wie viel Unterhalt ihrer 12jährigen Tochter vom Vater zusteht oder ein schwuler Vater, der das Besuchsrecht für sein Kind mit der Ex regeln muss. Ein handliches, übersichtliches Buch zum Informieren und Nachschlagen, das Mut macht für eine Entscheidung mit weit reichenden Konsequenzen, die Stefan und Kristof auf den Punkt gebracht haben: Unser Alltag hat sich komplett verändert, aber eigentlich ist es wunderbar, wie es ist.

Uli Streib-Brzič (Hg.in): Das lesbisch-schwule Babybuch. Ein Ratgeber zu Kinderwunsch und Elternschaft. Querverlag. Berlin. 2007

gelesen von Elke Heinicke