Ulrike Helmer: Muschiland. Exkursionen in eine kulturelle Intimzone.

Erst 2010 war unter dem Titel Slipeinlage von Brigitte Schulz im Ulrike Helmer Verlag ein Buch erschienen, das in seiner schnodderigen Oberflächlichkeit bei mir zu abtörnender Langeweile führte und meine Vorfreude auf  Muschiland eher dämpfte.  Ich sollte Unrecht behalten, denn der Titel ist bewusst gewählt – provoziert die einen und gewinnt die anderen Leserinnen. Welche keine Lust aufs Muschiland verspürt, kann sich gern an den Untertitel halten und wird nicht enttäuscht werden.

Überwiegend stammen die Texte von Herausgeberin Ulrike Helmer, sind gut recherchiert, witzig, pointiert und klug formuliert.  Insgesamt handelt es sich um eine Art Bestandsaufnahme: Was ist an Literatur um Vulva, Möse und Co. entstanden? Welche kulturgeschichtliche Rolle spielten weibliche Genitalien? Welche Entwicklung hat die Sicht auf die Vulva, wie es doch korrekt heißen müsste, im Verlaufe der Frauenbewegung genommen, welchen Beitrag leiste(te)n Lesben zu dieser Sichtweise? Fokussiert wird auf den Zusammenhang von Schönheitschirurgie im Westen und genitaler Beschneidung.

Kurze Buchausschnitte von Eva Heller, Brigitte Schulz, Fana Asefaw und Heide Göttner-Abendroth ergänzen die Kapitel. Zahlreiche feministische Quellen, die mittlerweile  längst zu Standardwerken geworden sind, werden zitiert.  Nichts völlig Neues, wie die Autorin im Vorwort betont, aber eine brandaktuelle Bestandsaufnahme, noch dazu geeignet, ganz neue Leserinnen zu erreichen. Dafür wünsche ich dem Buch von Herzen Erfolg!

 

Ulrike Helmer.  Muschiland. Exkursionen in eine kulturelle Intimzone. Ulrike Helmer Verlag. Sulzbach/ Taunus. 2012

gelesen von Elke Heinicke