Ulrike Karner: Allah und der Regenbogen

Karner, Ulrike - Allah und der RegenbogenIm engeren Sinne ist dies ein Jugendroman, dem ich ganz viele junge Leserinnen und auch Leser wünsche. Wichtig ist dieser Roman aber auch für all diejenigen, die mit jungen Leuten zu tun haben und diese und ihre Probleme besser verstehen wollen.

Die ProtagonistInnen sind während des Handlungsverlaufs zwischen 17 und 18 Jahren alt. Lena ist in der queeren Community Wiens aufgewachsen, zieht aber mit ihren Müttern während der Sommerferien in ein winziges Dorf, wo schon bald ein homophober Spruch an die Tür gesprayt wird. Sie freundet sich rasch mit Ebru, als einzige Türkin mit Kopftuch eine weitere Außenseiterin, an.

Allerdings muss diese Freundschaft vor Ebrus Familie geheim gehalten werden, da ihre Eltern eine Lesbentochter nie und nimmer akzeptieren würden. Mit dem Beginn der  Liebesbeziehungen zwischen Ebru und Mona sowie Ebrus Bruder zu Lena verdichtet sich das Netz aus Lügen und Verschweigen. Als Ebrus Eltern schließlich die Wahrheit erfahren, wird die junge Frau von ihrem Vater geschlagen und eingesperrt, soll sofort nach ihrem 18. Geburtstag in der Türkei verheiratet werden, um die Ehre der Familie zu retten. Ebru flieht aus der Wohnung, versucht sich das Leben zu nehmen. Mit Hilfe von Lenas Müttern kann sie in Wien in einer Notunterkunft Hilfe finden, fühlt sich aber einsam und zerrissen, will zu ihrer Familie zurück. Doch ihr Vater lenkt nicht ein. Ebru fühlt sich zerrissen zwischen ihrem Wunsch nach persönlichem Glück, ihrem Glauben und der Sehnsucht nach Geborgenheit.

Gibt es ein Happy end? Vielleicht. Die beiden Liebesbeziehungen scheitern. Ebru beginnt an ihrem Glauben zu zweifeln, fühlt sich verraten und entwurzelt, findet jedoch vorerst Aufnahme in Lenas Familie. Sie beginnt sich zu emanzipieren, legt ihr Kopftuch ab und geht wieder zur Schule. Vielleicht wird sie ja doch noch Pilotin und findet die große Liebe. Dass es eine Frau sein wird, weiß sie genau.

Die Autorin ist selbst Psychologin und Pädagogin, kennt die Sorgen und Nöte von Jugendlichen in ähnlichen Situationen gut. Sie trifft Stil und Sprache sehr genau, erzählt ihre Geschichte recht knapp in Textpassagen, Tagebucheinträgen, Chats, Mails und SMS. Ungewohnt für ältere Leserinnen, aber durchaus reizvoll.

Ulrike Karner. Allah und der Regenbogen. Ulrike Helmer Verlag Sulzbach/ Taunus. 2010

gelesen von Elke Heinicke