Ulrike Müller: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design.

Vermutlich bin ich nicht die einzige, die immer wieder fasziniert ist von Bauhausdesign und der dahinter stehenden Bauhausphilosophie. Informationen sind oft spärlich, bruchstückhaft, zu viel ist während der Zeit des Nationalsozialismus verloren gegangen, die Bauhäusler wurden in alle Welt verstreut. Noch weniger bekannt als ihre männlichen Künstlerkollegen sind allerdings die Frauen des Bauhauses. Wie gut dass Ulrike Müller sich nun mit ihrem Buch diesem Thema gewidmet hat.

Es gelingt ihr sehr gut, die Bauhäuslerinnen in ihren historischen Kontext einzuordnen, das von ihnen bearbeitete Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk, Design und Pädagogik lebendig werden zu lassen. Sie beschreibt die Schwierigkeiten, mit denen Frauen sowohl als Lehrende als auch als Lernende am Bauhaus zu kämpfen hatten. Nichtsdestotrotz strebten viel mehr junge Frauen zum Studieren ans Bauhaus, als den Herren Meistern lieb war. Die sich so progressiv und offen gebärdenden Künstler versuchten, Frauen auf die Weberei zu beschränken. Doch bei weitem nicht alle Studentinnen gaben sich damit zufrieden. Marguerite Friedlaender-Wildenhain schuf Muster für die Porzellanherstellung, Ilse Fehling wurde Bildhauerin und Bühnenbildnerin, Alma Siedhoff-Buscher entwarf Möbel und Holzspielzeug von Marianne Brandt stammt der bekannte Entwurf des Tee-Extraktkännchens, der heute als Ikone des Bauhausdesigns gilt. Anderen wie Benita Stölzl, Otti Berger oder Benita Otte gelang es, in der Weberei überdurchschnittliche künstlerische Ergebnisse zu erzielen, die den Ruf des Bauhauses in hohem Maße begründeten.Friedl Dicker wandte Methoden der Bauhauspädagogik an, als sie nach der Deportation nach Theresienstadt mit den Kindern im Ghetto zu zeichnen begann. Fotografinnen wie Grete Stern und Florence Henri experimentierten mit dieser noch neuen Technik.

Aufgenommen hat die Autorin auch Meisterfrauen, Ehefrauen der Bauhausmeister, die zwar auf keiner Gehaltsliste erschienen, die Entwicklung des Bauhauses aber stark prägten. Obwohl viele von ihnen ein eigenständiges künstlerisches Profil entwickelt hatten, fehlt bis heute oft eine entsprechende Würdigung.

Gut recherchiert, reich und größtenteils farbig bebildert zeigt Müller uns phantasievolle, kreative, lebensbejahende, starke Frauen, von denen ich mehr wissen will, vor allem mehr sehen will in einem Bauhausmuseum, dass den Bauhaus-Frauen und ihren Leistungen den ihnen gebührenden Platz einräumt.

Danke für dieses inspirierende Buch!

 

Ulrike Müller. Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. Elisabeth Sandmann Verlag. München. 2009

 

gelesen von Elke Heinicke