Ulrike Voss: Einmal im Dunkeln.

Anna aus Berlin macht Urlaub auf einer kanarischen Insel. Ohne ihre Liebste – in der Langzeitbeziehung ist die Leidenschaft sowieso etwas abgekühlt und es gibt den einen oder anderen Reibungspunkt. Aufgrund eines Sturms verschiebt sich dann der Rückflug und Anna  genießt die geschenkte Zeit und verbringt den Abend in einer Bar.  Als sie dort im Schummerlicht einen Streifen Haut zwischen Hosenbund und kurzem Oberteil einer Fremden aufblitzen sieht, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Ein wenig ziert Anna sich noch, doch dann hält der Roman, was das Cover versprochen hat:  Zwischen Anna und Lucía entspannt sich ein Abenteuer aus Lust, Sex, rasanten Autofahrten, aufregenden Begegnungen, atemberaubenden Orten – allesweit jenseits der Alltäglichkeit einer Langzeitbeziehung.  Wie schon ein wohlbekannter Lesbenfilmklassiker  bezieht der erotische Roman einen guten Teil seines exotisch-glamourösen Flairs aus der Zirkuswelt, in die Lucía Anna entführt.

Verliebt in Anna und elektrisiert vom Strudel der Eindrücke versucht Anna beides zu leben – den Berliner Alltag mit Bea und das Kanaren/Madrid-Abenteuer mit Lucía, ohne der einen oder der anderen von der jeweils zweiten Hälfte ihres Lebens zu berichten. Annas Zweifel, ihre Sehnsüchte und die atemlosen Tage und Nächte angefüllt mit Erotik, Sex und sinnlichen Genüssen an der Seite von Lucía ziehen sich etwas beim Lesen, bleiben an der Oberfläche und begannen mich schließlich schon zu langweilen. Fast hätte ich das Buch zur Seite gelegt und vergessen, wenn nicht auf den letzten dreißig Seiten plötzlich Geschichten erzählt worden wären –  Geschichten aus Annas und Lucìas Leben, Geschichten, die mich in ihren Bann zogen und die dann für meinen Geschmack viel zu schnell zu Ende waren.

 

Ulrike Voss.  Einmal im Dunkeln. Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. Tübingen. 2011

gelesen von Elke Heinicke