Unda Hörner: scharfsichtige Frauen. Fotografinnen der 20er und 30er Jahre in Paris.

Der Titel mag auf ein sehr spezielles Thema, eher geeignet für Fachpublikum hinweisen, doch dahinter versteckt sich ein wunderbares Buch, das alle begeistern wird, egal, ob sie an Frauengeschichte(n), Fotografie, Paris, Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessiert sind. Sie alle werden auf ihre Kosten kommen.

Unter der Überschrift blende auf entführt die Autorin ihre Leserinnen in die französische Hauptstadt, besucht Orte, die an den einstigen Glanz der Hauptstadt der Avantgarde erinnern.  Sie erzählt vom Entstehen eines ganz neuen Frauenbildes und versucht zu erklären, warum das neue Medium Fotografie für Künstlerinnen eine derart große Anziehungskraft hatte. Sie beschreibt, wie die handliche, kleine Kamera zu einem Symbol der neugewonnenen Freiheit wurde. In den Kapiteln werden Fotografinnen vorgestellt, von Berenice Abbott über Ilse Bing bis zu Gisèle Freud und Claude Cahun. Werdegänge, sich mitunter kreuzende Lebenswege der Frauen, ihre künstlerische Handschrift und der unverwechselbare Stil einer jeden haben Eingang gefunden. Viele grafisch ausgezeichnete Bilder sprechen eine eigene Sprache. Farbig abgesetzte Zitate setzen die einzelnen Kapitel voneinander ab und sind Teil der gelungenen Gestaltung des Buches, das Lust macht auf Schauen, Blättern, Festlesen.

 

Unda Hörner.  scharfsichtige Frauen. Fotografinnen der 20er und 30er Jahre in Paris.  Edition ebersbach.  Berlin. 2010

gelesen von Elke Heinicke